Ab Januar müssen Händler und Gastronomen immer einen Bon bereitstellen - in gedruckter oder in elektronischer Form.
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Ab Januar müssen Händler und Gastronomen immer einen Bon bereitstellen - in gedruckter oder in elektronischer Form.

Bonpflicht

Gefährliche Kassenbons

  • Rasmus Buchsteiner
    vonRasmus Buchsteiner
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Thermopapier enthält oft gesundheits- und umweltschädliche Substanzen.

Die geplante Kassenbon-Pflicht sorgt für Widerstand in der Wirtschaft, die Mehraufwand und zusätzliche Kosten fürchtet. Aber das Thema wirft auch andere Fragen auf. Unter anderem die, wie sicher und umweltverträglich das Thermopapier ist, auf denen die Bons gedruckt werden.

Hintergrund ist, dass einer der gängigsten Farbentwickler, mit denen das Papier für die Belege beschichtet war, ab 2020 weitgehend verboten ist. Dabei handelt es sich um Bisphenol A. Der Substanz werden unter anderem hormonschädigende Eigenschaften und Beeinträchtigungen der menschlichen Fruchtbarkeit nachgesagt.

Bettina Hoffmann, umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, hat die großen Einzelhandelsketten der Republik angeschrieben und gefragt, welche Farbentwickler sie ab Januar für ihre Kassenbons verwenden wollen. 18 Einzelhändler – darunter Ikea, Kaufland, MediaMarkt, C&A, Saturn, dm oder Rossmann – setzen auf phenolfreie Kassenbons. Die genannten Firmen verwenden als Ersatzstoff „Pergafast“.

Bei einem Teil der Unternehmen liege die Vermutung nahe, dass weiterhin Bisphenol-A–Ersatzstoffe wie etwa Bisphenol S verwendet würden. Deichmann und Fressnapf gaben konkret an, in Zukunft Bisphenol S verwenden zu wollen.

Grünen-Expertin Hoffmann sieht keinen Grund zur Entwarnung. „Der Umgang mit Chemikalien im Thermo-Kassenpapier zeigt exemplarisch die Missstände im heutigen Chemikalienrecht auf“, sagte sie. „Wird eine besonders risikoreiche Chemikalie wie Bisphenol A verboten, tritt an ihre Stelle eine chemisch sehr ähnlich Substanz wie Bisphenol S oder ein weniger erforschter Stoff wie Pergafast.“

Hoffmann sagte, Pergafast sei nachweislich nicht gut für die Umwelt: „Für den Menschen scheint es weniger schädlich zu sein als Phenole, insgesamt ist es aber viel zu wenig erforscht.“ Es könne nicht sein, dass die Chemiebehörden von den Herstellern wichtige Tests nachforderten, während der Stoff schon massenweise eingesetzt werde.

Allerdings, so Hoffmann, gebe es bereits komplett chemiefreie Kassenbons. „Es ist erfreulich, dass es bereits Einzelhändler gibt, die diese auch einsetzen wollen. Künftig muss dies die Regel sein“, sagte die Bundestagsabgeordnete. „Wir brauchen eine gesetzliche Regelung, die dafür sorgt, dass unbedenkliche Material-Alternativen auch eingesetzt werden, wenn sie am Markt verfügbar sind.“

Noch besser wäre es natürlich, ganz auf den Kassenbon verzichten zu können. Ein Bremer Start-up entwickelt eine App, die Kassenbons digital speichert und verwaltet.

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