Entwicklungszusammenarbeit

Gut gedacht, schlecht gemacht

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Menschen flüchten wegen vielerlei Gründe aus ihren Heimatländern. Dazu zählen auch Gold und gute Ratschläge.

In unsicheren Zeiten lieben Investoren Gold. Es gilt als sicherer Hafen, wenn an den Finanzmärkten die Aktienkurse ins Rutschen geraten. Dann steigt wie zuletzt der Goldpreis.

Diejenigen, die das Gold fördern, bekommen davon meist nichts mit. In Honduras beispielsweise haben sie andere Probleme: Gewalt, Drogen, Korruption. Wird ihnen dann auch noch die wirtschaftliche Grundlage entzogen, sehen viele die Flucht als letzte Chance. Dass sich tausende Honduraner auf den Weg in Richtung USA gemacht haben, war bei den jüngsten Kongresswahlen ein wichtiges Wahlkampfthema.

Wie man Goldgräbern ihre Perspektiven nehmen kann, zeigt das Beispiel der deutschen Organisation für Entwicklungszusammenarbeit, GIZ. Die hatte vor einiger Zeit im Auftrag der Regierung von Honduras geologische Untersuchungen vorgenommen – mit dem Zweck, neue Metallvorkommen zu entdecken. Mit der vermeidlich guten Idee sollte der nationalen Wirtschaft geholfen werden.

Der Erfolg ist zweifelhaft: Eine Gold-Konzession wurde an die US-Firma Inception Mining vergeben, die dafür im Süden des Landes einen Berg abtragen lässt. Genau dort aber, in einem pittoresken Städtchen namens El Corpus, steigen seit Generationen tausende Männer täglich auf der Suche nach Gold in Stollen herab, die noch aus der Zeit der spanischen Eroberer stammen. Der Job ist gefährlich, und reich werden sie nicht. Händler zahlen ihnen gerade einmal die Hälfte des Weltmarktpreises. Doch immerhin bietet die Arbeit ihnen und ihren Familien ein Auskommen. Nun müssen sie sich die Goldvorräte in der Erde mit einem US-Konzern teilen, der das Edelmetall für seine Aktionäre heben lässt. Immer weniger Menschen können dann noch vom Goldbergbau leben und wandern aus. Ziel: die USA.

Auch in einem anderen Fall erweisen sich gute Ratschläge aus dem reichen Teil der Welt als Bumerang für die Armen. Der US-Ökonom Paul Romer erhielt in diesem Jahr den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Von dem früheren Chefvolkswirten der Weltbank stammt auch die Empfehlung an wirtschaftsschwache Länder, „Charter Cities“ einzurichten, das sind Sonderwirtschaftszonen, mit deren Verwaltung Industrieländer beauftragt würden. Dahinter steckt die Idee, höhere Infrastruktur- und Rechtsstandards quasi zu importieren. Damit, so die Hoffnung, würden wirtschaftsschwache Länder Kapital anziehen und ihre nationale Ökonomie fördern. Voraussetzung seien Transparenz und die Mitwirkung der lokalen Bevölkerung.

Romer hat seine Idee auch in Honduras vorschlagen, und die Regierung war begeistert. Sie setzt das jetzt um, allerdings ohne auf Romers Forderung nach Transparenz und Mitbestimmung zu hören. Stattdessen dürfen die Firmen dort eigene Gesetze erlassen. Die Menschen werden vertrieben. Die Folge? Richtig: Auch sie sehen in der Flucht den einzigen Ausweg. Einziges Ziel: die USA. US-Ökonom Romer hat sich zwar in Honduras über die lückenhafte Umsetzung seiner Idee beschwert, aber genützt hat es nichts. Vielleicht wird er dafür einmal einen der Honduraner in New York treffen, die aus einer der dortigen Charter Cities geflohen sind. Wahrscheinlich ist das nicht. Kaum einer dürfte es über die Grenze schaffen. Das zeigt einmal mehr: Gute Ratschläge sind selten Gold Wert – und wenn, dann nur für wenige.

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