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Transnet und GDBA

Geburt einer neuen Bahngewerkschaft

Die Schwestergewerkschaften dürfen zusammenwachsen: Die Mitglieder genehmigen Transnet die Fusion mit der GDBA. Damit hat die neue Gewerkschaft EVG 240.000 streitbare Mitglieder.

Die Bahngewerkschaft Transnet hat den Weg für den Zusammenschluss mit der Schwesterorganisation GDBA freigemacht. Bei einem außerordentlichen Gewerkschaftstag in Fulda stimmten 307 von 319 Delegierten für eine neue Satzung und den neuen Namen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, kurz EVG.

Das bedeutet eine Zustimmung von 96 Prozent. In einem zweiten Schritt sollen nun die GDBA-Delegierten per Beschluss erklären, mit Transnet verschmelzen zu wollen. Dem wiederum muss dann der Transnet-Gewerkschaftstag zustimmen, bevor schließlich ein Verschmelzungsvertrag unterzeichnet werden kann.

Vor der Abstimmung hatte der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner gesagt, die EVG müsse die «Heimat aller Beschäftigten» sein. Einheitsgewerkschaften seien kein Auslaufmodell. Die EVG wird wie bisher Transnet Mitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund sein und rund 240.000 Mitglieder haben. Die GDBA tritt mit der Fusion aus dem Deutschen Beamtenbund aus.

240.000 streitbare Gewerkschaftler

Aus Transnet und GDBA wird EVG: Die beiden größten Bahngewerkschaften in Deutschland schließen sich zusammen. Die bislang zum Deutschen Beamtenbund gehörende GDBA kommt mit der Fusion zur Familie des Deutschen Gewerkschaftsbunds hinzu. Nur die streitbare Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) bleibt weiter für sich. Dass sich namentlich hinter der GDBA die 1948 gegründete Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamter und Anwärter verbirgt, geriet angesichts einer nach Aktienrecht organisierten Deutschen Bahn und auch privater Streckenbetreiber zuletzt in Vergessenheit. Die traditionsreiche Interessenvertretung mit zum Schluss rund 30.000 Mitgliedern wird mit der offiziellen Gründung der neuen Organisation am Mittwoch in Fulda ihren alten Namen ablegen. Mit den 210.000 Kollegen der mächtigen Transnet aus dem Deutschen Gewerkschaftsbund wird sie dann zur neuen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vereint.

Gründungstag der neuen EVG ist also der 1. Dezember 2010. So wollen es die Notare. „Wir haben zusammen mit Transnet ein Procedere erarbeitet, das den beiden Gewerkschaften eine Sekunde der Nichtexistenz erspart“, berichtet Uwe Reitz von der bisherigen GDBA. Denn einer formalrechtlichen EVG-Neugründung aus zuvor zwei Organisationen hätte zumindest ein Moment vorangehen müssen, in der es weder Transnet noch GDBA gäbe. „Und dann müssten wir das gemeinsame Gründungsvermögen neu versteuern“, sagt Reitz. „Aber das Geld verwenden wir natürlich lieber für die gewerkschaftliche Arbeit.“

Fusion auf Augenhöhe

Bevor die neue EVG das Licht der Welt erblickte, mussten die Delegierten der Transnet folglich am Dienstag noch beschließen, künftig als Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft zu firmieren. In einem benachbarten Tagungshotel wollten die GDBA-Abgesandten gleichzeitig dafür stimmen, der EVG beizutreten. Lieber als von einem Beitritt sprechen beide Partner von einer Verschmelzung, weil sie sich auf Augenhöhe begegnen wollen.

Bedenken gegen die Fusion hat es gegeben, natürlich nicht auf Seiten des somit erstarkenden DGB und der zu ihm gehörenden größeren Transnet. Darüber, ob ihre beruflichen Interessen im großen Gewerkschaftsbund gewahrt bleiben, diskutierten vor allem die GDBA-Mitglieder. Rechtlich stoße die Interessenvertretung in einem Unternehmen aber auch an Grenzen, schrieb im Sommer ein altgedienter Betriebsratsmann und GDBAler in einem Online-Diskussionsforum. Nur eine große Gewerkschaft könne solche Hürden nehmen. „Ich wäre dabei und stolz darauf“, machte das Betriebsratsmitglied sich und seinen Kollegen Mut auf die EVG.

„Die Zersplitterung überwinden“

„Bei allem was uns trennt, ist es notwendig, die Zersplitterung zu überwinden“, sagte auch DGB-Chef Sommer im September auf einer GDBA-Veranstaltung. Man dürfe den Menschen die Identität nicht rauben und könne trotzdem die Organisationen zusammenführen. Mit der Transnet verschwindet auch die vor zehn Jahren so umgetaufte Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED), die 1949 Gründungsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds war, endgültig aus der Begriffslandschaft und mit ihr die zu DDR-Zeiten aktive Gewerkschaft der Eisenbahner, die 1990 ihrer westdeutschen Schwesterorganisation beitrat.

Nicht mit im neuen Boot rudert die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), die zu einem kleinen Teil auch Zugbegleiter vertritt. Das Alleinstellungsmerkmal, sagt eine GDL-Sprecherin, bleibe auch künftig wichtig für eine wirkungsvolle Politik. Der Deutsche Beamtenbund (DBB) fürchtet ebenfalls nicht um seine gewichtige politische Stimme, denn nach Austritt der GDBA wird der DBB statt 1,25 Millionen immer noch 1,22 Millionen Mitglieder zählen. „Und wir wünschen allen unseren bisherigen Eisenbahnern viel Erfolg in der EVG“, zeigt sich ein DBB-Sprecher mit Blick nach Fulda versöhnlich. (dapd/dpa)

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