Der Konflikt um den Danni dreht sich um den Ausbau der A49, welche Landstraßen in Hessen entlasten soll, für die aber eine Schneise quer durch den Wald geschlagen werden muss.
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Der Konflikt um den Danni dreht sich um den Ausbau der A49, welche Landstraßen in Hessen entlasten soll, für die aber eine Schneise quer durch den Wald geschlagen werden muss.

Gastwirtschaft

Zukunft der Mobilität

  • Nina Treu
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Warum der Weiterbau der A49 gestoppt werden muss. Die Gastwirtschaft von Nina Treu.

An dieser Stelle habe ich zuletzt über die Möglichkeiten einer Wirtschaftswende in Zeiten von Corona und die verschiedenen Konzepte, die aktuell unter einem „Green New Deal“ gefasst werden, geschrieben. Der Kampf um den Dannenröder Wald („Danni“) zeigt die Chancen und Hemmnisse sozial-ökologischer Politiken beispielhaft auf. Denn es geht nicht „nur“ um einen 300 Jahre alten Wald, sondern um das Erstreiten eines wirtschaftspolitischen Umdenkens und einer radikalen Verkehrswende.

Der Konflikt um den Danni dreht sich um den Ausbau der A49, welche Landstraßen in Hessen entlasten soll, für die aber eine Schneise quer durch den Wald geschlagen werden muss. Die Planungen sind 40 Jahre alt – und damit vollkommen überholt. Genauso lange gibt es schon Widerstand dagegen, der aber mit der Besetzung des Waldes vor einem Jahr in eine neue Phase eingetreten ist. Aktuell schützen Menschen den Wald, indem sie dort auf Baumhäusern leben. Jetzt werden sie geräumt, um die Rodungssaison zu nutzen und die Autobahn zu bauen.

Doch dies weist in die völlig falsche Richtung: Wenn Deutschland die Klimaziele von Paris ernst nehmen will, dann muss die Politik eine Verkehrswende einleiten. Statt neue Autobahnen und noch mehr Platz für motorisierten Individualverkehr brauchen wir einen Rückbau der Infrastruktur für Autos. Nicht mehr Autobahnen, sondern weniger! Nicht mehr Autos, sondern mehr ÖPNV. Solidarisch finanziert und damit für alle erschwinglich. Wir benötigen neue Mobilitätskonzepte, die Stadt und Land ressourcensparend und nutzerfreundlich verbinden. Diese müssen sinnvoll in andere Politiken eingebettet werden und zum Ziel haben, Wege zu verkürzen und damit Verkehr zu reduzieren.

Hier geht es also um mehr als nur eine Autobahn oder einen Wald. Es geht um die Zukunftsfähigkeit von Mobilität – das haben Klimaschützer:innen und Bürger:innen bereits erkannt, aber viele Politiker:innen wohl noch nicht. Wir benötigen eine Neuorientierung in der Verkehrspolitik: weg von den Interessen der Automobilindustrie, hin zum Auf- und Ausbau gemeinwohlorientierter Mobilität und eines nachhaltigen Güterverkehrs. Und das heißt eben auch, vom Bau der A49 abzurücken. Dies ist rechtlich noch möglich und politisch mehr als nötig.

Die Autorin arbeitet beim Konzeptwerk Neue Ökonomie und ist Teil der Webredaktion von: www.degrowth.de

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