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Zerstörte Idylle

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Von: Nina Treu

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Tourismus in Kuba: statt an den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung richtet sich die lokale Wirtschaft an Angeboten für die Tourist:innen aus und verbraucht die knapper werdenden Ressourcen.
Tourismus in Kuba: statt an den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung richtet sich die lokale Wirtschaft an Angeboten für die Tourist:innen aus und verbraucht die knapper werdenden Ressourcen. © Victor Gabriel Oliva/dpa

Was heißt Urlaub angesichts der Krisen? Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Diese Woche hat auch in den letzten Bundesländern die Schule wieder begonnen. Die Temperaturen sinken und der Sommer scheint endgültig vorbei. Doch was war das für ein Sommer – lassen Sie ihn uns nochmals vor Augen führen und Rückschlüsse daraus ziehen. Denn es wurde mehr als deutlich: Die Probleme der Welt bleiben im Urlaub nicht zu Hause. Klimakatastrophe, Corona-Pandemie, Kriege und steigende Ungleichheit waren omnipräsent. Die Illusion der Flucht aus dem Alltag in den scheinbar unbeschwerten Urlaub ist nicht mehr aufrecht zu erhalten.

Egal wohin man schaut: Die Idylle der Ferienziele ist zerstört. Hitzewellen trieben Temperaturen von angenehm warm auf unerträglich heiß. Allein in Europa verbrannten bis Ende August 7500 Quadratkilometer Wald, gleichzeitig schmelzen Gletscher weltweit. Ferienziele sind nicht mehr sicher, Straßen nicht befahrbar, ganze Orte evakuiert. In Osteuropa herrscht Krieg. In Südasien erreichte eine Hitzewelle mit über 50 Grad bisher unbekannte Ausmaße, in Pakistan sind 33 Millionen Menschen von Überschwemmungen betroffen.

Die Coronazahlen sinken, weil sich niemand mehr testet, und die Maskenpflichten fallen – aber viele stecken sich im Urlaub mit Corona an.

Die Inflationsrate in Deutschland lag im August bei 7,9 Prozent und die Hälfte der Bevölkerung hat große Sorgen aufgrund der Energiekrise.

Diese Aufzählung ist nur ein kleiner Ausschnitt aber sie zeigt, wie sich die Welt ändert. Dabei ist Tourismus schon lange ein ungleiches und zerstörerisches Geschäft. Meist reisen Menschen dabei an Orte, wo der Durchschnitt ärmer ist als sie – sprich ihre Kaufkraft höher. Statt an den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung richtet sich die lokale Wirtschaft an Angeboten für die Tourist:innen aus und verbraucht die knapper werdenden Ressourcen: Hotels, Restaurants, Privatstrände, teure Freizeitangebote. Ja, der Tourismus trägt zum Wirtschaftswachstum vor Ort bei – aber die Frage ist, für wen und auf wessen Kosten.

Angesichts der sich offensichtlich zuspitzenden Krisen dieses Jahr sollten sich also alle, die sich Urlaub überhaupt noch leisten können, fragen: Wohin kann es mit möglichst wenig Zerstörung gehen? Und was suchen wir im Urlaub? Entspannung? Die könnten wir eher mit Arbeitszeitverkürzung und finanzieller Umverteilung bekommen.

Die Autorin ist Mitgründerin des Konzeptwerk Neue Ökonomie.

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