Geschaeftsschliessungen in Berlin wegen Corona
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Der Turbokapitalismus hat Pause.

Gastwirtschaft

Zeit zum Innehalten

  • Hilke Brockmann
    vonHilke Brockmann
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Die Corona-Krise zwingt uns, Strukturen zu überdenken.

Corona ist ein Unglücksfall. Es trifft uns, trotz der Vorwarnungen aus China, nicht wirklich vorbereitet. Wie auch? Die Risikomeldungen der Virologen ändern sich im Stundentakt. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie schneiden immer tiefer in das Alltagsleben. Ungekannte Schlangen und leere Regale in Lebensmittelmärkten. Horrormeldungen über lebensentscheidende Engpässe im öffentlichen italienischen Gesundheitssystem. Die ehernen Gesetze der liberalen und sozialen Marktwirtschaft – pulverisiert an der Börse.

Der Turbokapitalismus hat Pause. Die Unsicherheit ist groß. Jetzt schlägt die hohe Stunde der Politik – Grenzschließungen, Ausgangssperre, Hilfsprogramme. Europa entschleunigt und will so die Ausbreitung des Virus hinauszögern. Zeit zum Innehalten – auch für jeden persönlich. Schließlich sparen wir uns die mühselige Anfahrt zum Arbeitsplatz. Können auf den sauber gebügelten Anzug verzichten und vertrödeln unseren Tag nicht in unnötigen Meetings. Diese Zeit sollten wir nicht gedankenlos verstreichen lassen. Denn klar ist, dass es nach Corona nicht so weitergeht wie bisher.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Hilke Brockmann,  Soziologin. Sie arbeitet derzeit am European University Institute.

Der Blick in die Geschichte zeigt, dass Krisen die Karten für Gewinner und Verlierer neu mischen. Und schon jetzt wird deutlich, dass die Digitalwirtschaft mit ihren virtuellen Angeboten und Medien einer der großen Gewinner ist. Amazon, Google, Huawei & Co. schwimmen vorneweg. Die USA und China haben den Weltmarkt in diesen Zukunftstechnologien viel zu lange schon unter sich allein aufgeteilt. Denn globale Abhängigkeiten und Monokulturen sind anfällig für Viren und andere aggressive Elemente. Es ist allerhöchste Zeit, über regionale Alternativen und digitale Infrastrukturen nachzudenken. Wir brauchen eine europäische Digitalkompetenz und europäische Daten für zukunftssichere europäische Gesellschaften.

Machtkonzentration ist natürlich auch im politischen Geschäft schädlich. Das kann man an der erschlafften Politik von Angela Merkel ebenso feststellen wie an den dysfunktionalen Allmachtsfantasien eines Viktor Orbán. Es ist auch hier höchste Zeit, die Karten neu zu mischen. Begrenzte Amtszeiten von zwei Legislaturperioden sind ein erstes Mittel gegen eine rückwärtsgewandte Politik. Teil solcher Veränderungen zu sein kann wirklich glücklich machen!

Die Autorin ist

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