Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich unter anderem mehr Klimaschutz. Wer viel hat, soll  der Gesellschaft etwas zurückgeben. Aber wo stecken die Gelder überhaupt?
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Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich unter anderem mehr Klimaschutz. Wer viel hat, soll  der Gesellschaft etwas zurückgeben. Aber wo stecken die Gelder überhaupt?

Verschuldung

Mit Wumms Finanzdaten erheben

Wenn wir die Lasten aus der Krise gerecht verteilen wollen, sollten wir erst einmal feststellen, wo das Vermögen liegt.

Nach dem Krisenschock kommt die Frage: Wie sollen die Krisenfolgen finanziert werden? Soll die Zentralbank die Schulden in ihrer Bilanz versenken? Das könnte gut gehen, aber es gibt Unwägbarkeiten. Die Volkswirtschaft kann auch aus den Schulden herauswachsen. Dabei darf das Wachstum aber keine weiteren ökologischen und ökonomischen Schäden anrichten. Mit einer gerechten Verteilung der Krisenlasten wächst voraussichtlich die Bereitschaft, Zukunftsprojekte anzugehen.

Die Krisenregierung nach der Jahrtausendwende entschied sich für die Agenda 2010. Mit Florida-Rolf konstruierte die Boulevardpresse ein Subjekt, das keine Solidarität verdient hat und rechtfertigte damit das Abwälzen von Krisenlasten nach unten.

Hingegen sollen heute Unternehmen, aber auch Beschäftigte und Konsumierende entlastet werden. Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich außerdem mehr Klimaschutz. Wer hohe Vermögen, Erbschaften und Einkommen hat, soll nun der Gesellschaft etwas zurückgeben. Aber wo stecken die Gelder überhaupt?

Wir wissen weder, wie 1,9 Milliarden Euro aus der Bilanz eines deutschen Dax-Konzerns verschwinden konnten, noch wie hoch große Vermögen sind und wer sie besitzt. Mit der Abschaffung des Bankgeheimnisses verschiedener Steueroasen kommen immerhin einige Leichen aus dem Keller.

Der Informationsaustausch hat ergeben, dass Deutsche rund 180 Milliarden Euro auf Konten auf der Kanalinsel Jersey deponiert haben. Auf jedem Konto liegen im Schnitt 14,7 Millionen Euro. Das riecht nach steuerlichen Motiven. Trotz Fortschritten bei der Transparenz gibt es immer noch Staaten, die keine oder zu wenige relevante Informationen herausgeben, darunter Großbritannien, die Kaimaninseln, Bermuda, die Isle of Man, die USA.

Im Unterschied zu Florida-Rolf haben die Jersey-Gelder kein Gesicht. Privilegien von vorgestern bestehen fort, weil niemand über sie spricht und lästige Fragen stellt. Ein notwendiger Schritt für eine gerechte Verteilung von Lasten ist daher die Erhebung grundlegender Finanzdaten – sei es in Steuerfragen, als Immobilienregister mit Informationen über Eigentümer oder als Vermögensregister.

Die Autorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen und Vertretungsprofessorin an der Universität Hamburg.

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