1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Gastwirtschaft

Wissen alleine reißt nicht mit

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Mona Schnell

Kommentare

Bücher
Ein Bücherstapel liegt in einer Buchhandlung auf dem Tisch. © Frank Rumpenhorst/dpa/Symbolbild

Sogenannte Experten-Bücher gibt es immer mehr. Aber wer ein Buch schreibt, sollte Persönliches einbringen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Das Schreiben sogenannter Experten-Bücher liegt voll im Trend. Alle, die ein Thema besetzen möchten, erreichen früher oder später den Punkt, an dem sie schon fast den Zwang verspüren, ihr Wissen zu Papier zu bringen. Ist das nicht möglich, lockt zumindest das elektronische Format in Form von Whitepapers oder E-Books. Viele vergessen dabei aber, ihre eigene Persönlichkeit in das Geschriebene einzubringen. Sie zitieren wichtige Studien, erzählen aus ihrer Forschung und glänzen mit theoretischem Wissen.

Doch was interessiert Menschen die Theorie, selbst wenn sie wichtige Erkenntnisse bringt, so lange sie keinerlei Verbindung eingeht mit persönlichem Erleben. Ein Buch muss so viel mehr sein als eine Nachricht, die nur informiert, oder ein Service-Text, der nur Tipps aneinanderreiht. Um Menschen mit Worten in den Bann zu ziehen, braucht es vor allem eins: Persönlichkeit.

Warum sonst verschlingen wir Text um Text, Seite um Seite, in denen wir mehr über andere Menschen erfahren? Natürlich liegt das an unserer angeborenen Neugier. Aber wir brauchen auch ein Gespür für diejenigen, die schreiben – eine Idee davon, warum sie etwas zu erzählen haben. Die Glaubwürdigkeit für das, was sie in Worte fassen, entsteht vor allem durch ihre eigenen Erfahrungen. Und je mehr Leser:innen spüren, dass Autor:innen mitten im Thema stecken, desto packender werden sie das Geschriebene erleben.

Interessierte mögen ein Buch gekauft haben, weil das Thema spannend klingt. Lesen werden sie es aber nur dann, wenn es ebenso mitreißend geschrieben ist. Dafür braucht es Dramatik. Und die entsteht durch Geschichten – und zwar am besten durch eigene, die es sonst nirgendwo zu lesen gibt. Deshalb kommen viele Autor:innen irgendwann an den Punkt, an dem sie sich fragen: Wie persönlich darf ich werden? Viel wichtiger wäre aber die Frage: Wie persönlich muss ich sein?

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen und ich sage es direkt: Nicht alle Expert:innen brauchen ein Buch. Aber jedes Expertenbuch braucht die Menschen dahinter – die Storys, Fails und Erfolge – die sie zu Persönlichkeiten und Expert:innen auf ihrem Gebiet gemacht haben. Schreiben Sie daher stets persönlich und im besten Fall auch noch nützlich. Das wäre dann die Kür.

Die Autorin schreibt Bücher und Texte für Expertinnen und Künstler. Gemeinsam mit Jana Assauer kuratiert sie den Expertenthemendienst „Montagshappen“.

Auch interessant

Kommentare