Die Wichtigkeit von Kultur und Kunst in Krisensituation wird derzeit völlig unterschätzt.
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Die Wichtigkeit von Kultur und Kunst in Krisensituation wird derzeit völlig unterschätzt.

Corona-Krise

Wir brauchen soziale Innovationen

  • Mechthild Schrooten
    vonMechthild Schrooten
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Märkte und Individualismus werden uns nicht retten.

Diese Krise ist anders. Die Pandemie ist brutal fundamental. Das Virus stellt die Systemfrage auf eine besondere Art. Die Pandemie stellt Gesundheit und Überleben auf der einen Seite dem Wirtschaftswachstum und Wohlstand auf der anderen gegenüber. Traditionelle Konjunkturprogramme helfen nicht gegen das Covid-19 Virus. Das Wort „Lockdown“ geistert als Bedrohung durch unseren Alltag. Es meint nichts Geringeres als die Infragestellung der bisherigen globalisierten, renditeorientierten Wirtschafts- und Gesellschaftsform.

Diese Krise greift den grundlegenden wachstumsgetriebenen Fortschrittsglauben an. Die Gesamtwirtschaft in Deutschland wird in diesem Jahr kräftig einbrechen. EU-weit ist ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von mehr als sieben Prozent zu erwarten. Das exportorientierte Wirtschaften kommt an klare Grenzen.

In Deutschland werden viele wirtschaftlichen Probleme aktuell noch sozial abgefedert. Das nächste Jahr aber wird krasser werden. Insolvenzen und Arbeitslosigkeit sind absehbar. Ein einfaches Zurück in die Vor-Corona-Zeit wird es nicht geben.

Eine rückwärtsgewandte Wirtschafts- und Subventionspolitik, die veraltete Strukturen beatmet und frischen Wind verhindert, wird uns teuer zu stehen kommen. Großunternehmen zu fördern und die lokalen Wirtschaftsstrukturen zu vernachlässigen, können wir uns nicht leisten.

Im Dienstleistungssektor liegt die Zukunft, das haben viele noch nicht verstanden. Genau deshalb sind hier soziale Innovationen notwendig. Auch wenn mit den Corona-Milliarden der Wandel zu mehr „Green“ gefördert wird - der Klimawandel wird sich damit nicht aufhalten lassen.

Der Blick in die verschiedenen Stützung-Programme zeigt zudem: Die Wichtigkeit von Kultur und Kunst in Krisensituation wird derzeit völlig unterschätzt. Dabei nimmt die Pandemie teilweise vorweg, was uns noch alles durch den menschenverursachten Klimawandel erwartet.

Probleme dieses Ausmaßes können nicht durch den renditeorientierten Kapitalismus, Märkte oder Individuen gelöst werden. Das Virus stellt die Systemfrage nicht entlang von Arbeit und Kapital. Es geht um Individualismus versus Gemeinwohlorientierung.

Die Autorin ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen

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