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Wir brauchen kein LNG

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Von: Nina Treu

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Hier muss angesetzt werden, meint unsere Gastautorin. Der Endenergieverbrauch hierzulande sei seit Beginn der 1990er Jahre aber kaum gesunken.
Stromzähler: Hier muss angesetzt werden, meint unsere Gastautorin. Der Endenergieverbrauch hierzulande sei seit Beginn der 1990er Jahre kaum gesunken. © Michael Bihlmayer/Imago

Was wir brauchen ist eine Senkung des Energieverbrauchs. Antikriegspolitik muss mit Klimapolitik verbunden werden. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Aufgrund des Angriffskriegs auf die Ukraine strebt die deutsche Regierung eine Reduktion des Imports fossiler Energien aus Russland an. Dabei wird aktuell heftig gestritten, in welchem Maße und zu welchem Zeitpunkt dies möglich sein kann. Oberste Ziele sind dabei eine größere Unabhängigkeit von Russland und ein geringerer Beitrag zu dessen Kriegskasse. Absurderweise wird in diesem Zusammenhang kaum über die notwendige Senkung des Energieverbrauchs im Allgemeinen für effektiven Klimaschutz diskutiert – stattdessen soll russisches Gas durch klimaschädliches und tödliches Flüssiggas aus den USA und Katar ersetzt werden.

Dabei wäre ein Verbinden von Antikriegs- und Klimapolitik dringend notwendig, um Deutschland auf den 1,5-Grad-Pfad zu bringen. Dafür muss der Energieverbrauch klimafreundlich umgestaltet werden. Dies wiederum ist nur möglich, wenn der Gesamtenergieverbrauch sinkt – er kann in der aktuellen Höhe von 2333 Terawattstunden (TWh, Stand 2020) nicht komplett über Erneuerbare abgedeckt werden. Tatsächlich ist der Endenergieverbrauch hierzulande seit Beginn der 1990er Jahre kaum gesunken. Denn Einsparungen von Energie werden durch Wirtschaftswachstum wieder aufgefressen. Dadurch liegt der absolut steigende Anteil der Erneuerbaren trotzdem nur bei 19,3 Prozent. Der Anteil von Gas liegt in der Industrie wie auch bei privaten Haushalten bei circa 37 Prozent des Gesamtverbrauchs.

Hier wird das Dilemma deutscher Energiepolitik auf einen Blick deutlich: Entweder es wird jetzt versucht, das russische Gas durch andere fossile Brennstoffe zu ersetzen, oder der Energieverbrauch muss gesenkt werden. Ersteres widerspricht einer effektiven Klimapolitik, Letzteres un-terstützt sie.

Das große Potenzial für Einsparungen fossiler Energie hier nicht auszuschöpfen, ist klimapolitisch fatal. Dabei geht es nicht um freiwillige individuelle Maßnahmen, sondern um gesamtgesellschaftliche Ansätze, welche auch die Wirtschaft betreffen. Anstatt Panzer mit fossiler Energie zu produzieren und zu betreiben, sollten wir die russische Kriegskasse durch weniger Gaskäufe schmälern und die Rüstungsindustrie zurückbauen. Sonst wird eine wichtige Chance, den sozial-ökologischen Umbau einzuleiten und Klimagerechtigkeit noch zu ermöglichen, vertan.

Die Autorin ist Mitbegründerin

des Konzeptwerk Neue Ökono-

mie und arbeitet seit zehn Jahren

zu Fragen des sozial-ökologi-

schen Umbaus.

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