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Wir brauchen einen Hilfsfonds

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Von: Verena Bentele

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Die Energiekrise erfasst immer mehr Menschen, die bislang keine Geldprobleme hatten.
Die Energiekrise erfasst immer mehr Menschen, die bislang keine Geldprobleme hatten. © Daniel Vogl/dpa

Konzerne mit Rekordgewinnen an den Kosten der Krise zu beteiligen – das würde den Menschen zeigen, dass die von ihnen gewählten demokratischen Institutionen gegenüber der Wirtschaft nicht ohnmächtig sind.

Noch nie haben den VDK so viele Menschen wegen ihrer Zukunftsängste kontaktiert wie in diesen Tagen. Die Beunruhigung aufgrund der steigenden Energiepreise reicht bis tief in die Mittelschicht. Schon im Mai galten 25 Prozent der Menschen als energiearm, in diesem Herbst ist es weit mehr als die Hälfte. Als energiearm gilt ein Haushalt, der mehr als zehn Prozent seines Nettoeinkommens für Energie aufwenden muss.

Die Krise erfasst immer mehr Menschen, die bislang keine Geldprobleme hatten. Uns schrieb ein 79-jähriger Mann, der in einem kleinen Haus lebt. Er sorgt sich, zum Sozialfall zu werden, obwohl er eine Rente von 1800 Euro bekommt. Seine Frau erhält eine Rente von 692 Euro. Zum 1. November hat ihr Gasversorger die Abschlagszahlung von 277 auf 1734 Euro erhöht. Ihnen blieben monatlich dann nur noch gut 750 Euro für das Lebensnotwendige.

Für dieses Ehepaar und die vielen Menschen mit wesentlich weniger Geld, die zur Miete wohnen und erst im kommenden Jahr die Preiserhöhungen spüren werden, sind die Entlastungen der Regierung wichtig. Sie reichen aber keinesfalls aus.

Die Übernahme der Abschlagszahlungen für Gas und Fernwärme im Dezember ist ein schönes Vorweihnachtsgeschenk, dieses wird kurzfristig helfen. Der weitreichendere Vorschlag einer Gaspreisbremse soll aber erst ab Frühjahr 2023 greifen. Viel zu spät. Denn gerade Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen und Pflegebedürftige mit wenig Einkommen brauchen so schnell wie möglich ein bezahlbares Grundkontingent an Strom und Gas. Sie wollen Verlässlichkeit und ihre Existenz selbst finanzieren.

Eine gute Idee ist der Hilfsfonds für jene mit kleinen Einkommen und Renten. Er muss unbedingt noch in diesem Jahr und nicht erst im Januar eingeführt werden. Wir riskieren sonst, dass in den kommenden Monaten unzählige Haushalte in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Viele Konzerne haben Rekordgewinne erzielt und zahlen – im Gegensatz zu mittelständischen Betrieben – in Deutschland geringe Steuern. Sie an den Kosten der Krise zu beteiligen – das würde den Menschen zeigen, dass die von ihnen gewählten demokratischen Institutionen gegenüber der Wirtschaft nicht ohnmächtig sind. Hohe Gewinne anständig zu besteuern sollte auch ein Vorhaben der Regierung sein, das keinen Aufschub duldet.

Die Autorin ist Präsidentin des Sozialverbands VDK Deutschland.

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