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Wie geht Smalltalk?

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Von: Claudia Cornelsen

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Nach jahrelanger Kommunikation über das Handy haben viele den Smalltalk verlernt.
Nach jahrelanger Kommunikation über das Handy haben viele den Smalltalk verlernt. © Britta Pedersen/dpa

Nach zwei Jahren Corona müssen wir kulturelle Basis-Techniken erstmal wieder lernen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

So, dann sind wir jetzt also alle zurück aus dem Homeoffice. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber mich treibt die Angst um. Schon im Treppenhaus bricht mir der Schweiß aus. Gleich treffe ich eine Kollegin oder einen Geschäftspartner. Ich öffne die Tür. Mein Augenlid zuckt nervös. Und dann kommt sie, diese einst so harmlose Frage: „Na, wie geht’s?“

„Wie geht was?“ möchte ich antworten, zwischen gespielter Naivität und latenter Aggression schwankend, um meine Angst zu überspielen. Denn verdammt nochmal, was soll ich denn auf diese Frage antworten? Gut!? Als wenn es irgendjemandem gut ginge dieser Tage! Sorgen, wohin das Auge blickt. Corona, Klima, Krieg. Krisen ohne Ende. Wie soll es einem da schon gehen?

Ausatmen. Entspannen. Es ist nur Smalltalk. Doch, verdammt, wie geht das? Nach zwei Jahren auf der einsamen Sofa-Insel müssen wir kulturelle Basis-Techniken erstmal wieder lernen. Robinson Crusoe hatte immerhin Freitag. Unsereins hat zwei Jahre lang nur mit Siri und Alexa gesprochen und per Handy Emojis versendet, um mit Zwinkersmiley und Augenrollen soziale Kompetenz vorzutäuschen. Die wenigen physischen Begegnungen hatten daran nichts geändert. Was redet man schon an der Supermarktkasse?! Durch die Masken war das Gebrabbel eh nicht zu verstehen. Zu den Videokonferenzen wählten wir uns pünktlich ein und pünktlich wieder aus. Um die schwache Datenverbindung zu entlasten, schalteten wir Kamera und Mikro aus. Blieben wieder nur Emojis im Chat – hier aber höflicherweise Daumenhoch und Smiley.

Jetzt also wieder Smalltalk. Soll ja eine harmonische Grundstimmung schaffen. Politik ist dafür bekanntlich kein Thema. Zu schnell gerät man darüber in Streit. Aber wie bitte soll man im Moment nicht über Politik reden? Egal welches Thema, man landet im Dreischritt bei hochbrisanten Themen: Wetter? Sonne, Dürren, Klimawandel. Schicke neue Hose? Shopping, Preise, Inflation. Wochenendausflug? Auto, Benzin, Russland. Selbst Fußball (Katar) und der European Song Contest (Ukraine) sind politisch.

Die Rettung ist eine simple Variante der alten Einstiegsfrage. Gleich nach dem erfreuten „Halloo!“ sagt man: „Wie schön dich zu sehen. Weißt du, wie das geht?“ Und dann zeigt man sein Handy und ein damit verknüpftes technisches Problem oder ein Bild von einer Yoga-Übung. Egal. Ihr Gegenüber wird’s Ihnen danken.

Die Autorin ist Kommunikationsberaterin.

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