Der Digitalpakt ist zu schwerfällig für eine rasche Digitalkur.
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Der Digitalpakt ist zu schwerfällig für eine rasche Digitalkur.

Unterricht

Marketing in der Schule: Zeit für den Werbe-Blocker im Klassenzimmer

Klar, Schulen sollen sich gegenüber ihrem gesellschaftlichen Umfeld öffnen – dazu zählen auch Unternehmen. Dies darf aber nicht zum Deckmantel für Marketingaktionen werden.

Werbung im Fernsehen: Die lässt sich wegschalten. Werbebanner im Netz: Dafür gibt es Werbe-Blocker. Aber was wirkt gegen Werbung in Schulen? Werbung und Schule – das ist eine Kombination mit Zündstoff. Schulen sollten Orte der Bildung sein, an denen Kinder und Jugendliche auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet werden – unbeeinflusst von Interessen Dritter. Doch die Realität ist eine andere.

Versicherungen informieren in Schulen über Altersvorsorge, Lebensmittelhersteller verteilen Brotdosen mit ihren Produkten, Digitalunternehmen statten Klassen mit Tablets und Software aus. Begleitend ist ein Wirtschaftszweig aus Bildungsmarketingagenturen entstanden, die damit werben, zum Thema „Werbung an Schulen“ zu beraten.

Schule: Werbung und Marketing im Klassenzimmer

Im Zuge der Corona-Krise hat sich die Problematik nochmals verschärft. Schulen sollen von heute auf morgen moderne digitale Bildungsinstitutionen sein – doch wer hilft ihnen dabei?

Der Digitalpakt ist zu schwerfällig für eine rasche Digitalkur. Und selbst wenn neue Technik eintrifft, braucht es immer auch das nötige Know-how, um damit den Unterricht zu gestalten. Ist es Schulen also zu verdenken, dass sie die vermeintlich helfende Hand der Wirtschaft ergreifen?

Schulen und Lehrkräfte für die Folgen von Werbung und Sponsoring im Klassenzimmer zu sensibilisieren, ist sicher wichtig. Aber viel grundlegender ist ein größeres Problembewusstsein in den Kultusministerien. Bislang haben sie über die Aktivitäten von Unternehmen in Schulen keinen Überblick. Die Verantwortung wird den Schulen auferlegt.

Die Schule darf kein Deckmantel für Werbung und Marketing sein

Diese brauchen mehr Unterstützung, um Angebote der Wirtschaft bewerten zu können. Zuvorderst muss die Kultusministerkonferenz bundesweit einheitliche Standards benennen. Die Schulgesetze müssen nachgebessert werden. Zudem sind mehr Transparenz und Kontrollmöglichkeiten nötig, so dass jederzeit nachvollziehbar ist, welche Wirtschaftsakteure in Schulen mit welchen Maßnahmen aktiv sind – und in welcher Art und Weise Schulen Kooperationen eingehen.

Denn, auch so viel ist klar, Schulen sollen sich gegenüber ihrem gesellschaftlichen Umfeld öffnen – dazu zählen auch Unternehmen. Dies darf aber nicht zum Deckmantel für Marketingaktionen werden. Ein Werbeverbot brächte Klarheit für alle Seiten. Es ist Zeit für den Werbe-Blocker fürs Klassenzimmer.

Die Autorin ist Leiterin des Teams Verbraucherbildung im Verbraucherzentrale Bundesverband.

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