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Die Preise für Produkte müssen nicht steigen, wenn der Mehrwert je Stück sinkt.
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Die Preise für Produkte müssen nicht steigen, wenn der Mehrwert je Stück sinkt.

Ökonomie

Wer hat den Mehrwert?

  • Heinz-Josef Bontrup
    VonHeinz-Josef Bontrup
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Über Manipulationen und Mystifikationen: Selbst außerhalb der komplexen Theorienbildung werden einfachste ökonomische Ableitungen nicht verstanden.

Ökonomie ist für die meisten Menschen ein „Buch mit sieben Siegeln“ und viele ökonomisch kontrovers diskutierte Theorien verunsichern die Menschen noch zusätzlich. Hier besteht permanent die Gefahr für Manipulationen und Mystifikationen. Und selbst außerhalb der komplexen Theorienbildung werden einfachste ökonomische Ableitungen nicht verstanden.

So können dann Kapitalvertreter interessenorientiert den Beschäftigten ihre angeblich zu hohen Lohnsätze ständig vorwerfen, obwohl man nur Lohnstückkosten, also Lohnsätze in Relation zur Produktivität, vergleichen kann. Oder: Wer kennt die gesamtwirtschaftliche Preisgleichung, die immer aus Lohnstückkosten plus Mehrwert je Stück besteht? Steigen hier die Lohnstückkosten, so müssen die Preise nicht steigen, wenn der Mehrwert je Stück sinkt.

Trotzdem legen realiter die Preise zu. Warum wohl? Und was ist Mehrwert? Er wird von den abhängig Beschäftigten geschaffen, weil ihr Lohn unter dem Wert ihrer geschaffenen und am Markt erlösten Arbeitswerte liegt. Zinsen und Grundrenten senken dabei die dritte Größe des Mehrwerts, den Gewinn. Hier gibt es innerhalb der Mehrwertgröße vielfältige Widersprüche.

Was der Eine gewinnt, muss der Andere verlieren

Auch die einfachen Gleichungen: „Kosten sind Einkommen“ und „Vermögen sind Schulden“ werden nicht verstanden. Was der Eine gewinnt, muss notwendigerweise der Andere verlieren. Die Gewinner wollen ihren Mehrwert und ihr Vermögen aber nur ungern zeigen. Also wird auch die Verteilung manipuliert. Aus Vermögenswerten werden Abschreibungen und damit gewinnmindernde Kosten. Dabei wird unterschlagen, dass investierende Kapitaleigner ihr eingesetztes Geldkapital über im Umsatz realisierte Abschreibungen zurückerhalten. Bevor die Wertschöpfungen in den Statistiken verteilt werden, haben sich die Kapitaleigner über Abschreibungswerte schon bedient, so dass die Verteilung zu Gunsten der Mehrwertbezieher regelmäßig zu niedrig und die Lohnquote zu hoch ausgewiesen wird.

Dazu der empirische Befund: In der gesamten deutschen Wirtschaft lag die offizielle Lohnquote im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2019 bei 69,6 Prozent. Tatsächlich aber nur bei 56,5 Prozent. Das waren nur ein paar Beispiele. Es gibt Hunderte mehr!

Der Autor ist Professor für Wirtschaftswissenschaft. Gerade ist sein Lehrbuch „Volkswirtschaftslehre aus orthodoxer und heterodoxer Sicht“ (De Gruyter Oldenbourg) erschienen.

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