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Wenn Firmen nicht antworten

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Von: Nicole Truchsess

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Fast 60 Prozent der Unternehmen antworten nicht auf Bewerbungen.
Fast 60 Prozent der Unternehmen antworten nicht auf Bewerbungen. © Daniel Ingold/Imago

Ghosting greift um sich: Viele Bewerberinnen und Bewerber warten vergeblich auf eine Resonanz von Unternehmen. Dabei ist in den meisten Stellenausschreibungen von Zuverlässigkeit die Rede.

Ghosting ist in den vergangenen beiden Jahren schon fast salonfähig geworden. Fast 60 Prozent der Unternehmen antworten nicht auf Bewerbungen. Über diesen Trend haben sich viele Arbeitssuchende bei der letzten Stepstone-Studie im Jahre 2020 zurecht beklagt und man kam nicht umhin, sich zu fragen, ob der viel beschworene Fachkräftemangel in Deutschland vielleicht doch nur ein Mythos ist.

Jetzt sich zeigt jedoch immer mehr, dass Ghosting auch bei den Stelleninteressenten zunehmend zu verzeichnen ist. Bei diesem Begriff denkt man zuerst an ein Dating, denn er beschreibt den Umstand, dass ein ehemals interessierter Partner ohne jegliche Vorwarnung abtaucht. Jeder, der das schon einmal erlebt hat, weiß, wie demütigend dies ist. Doch gibt es Ghosting eben nicht nur bei der Partnersuche, sondern auch bei der Jobsuche. Von der Wirkung macht es jedoch keinen Unterschied, denn dieses Verhalten verletzt den Status des anderen.

Ein Bewerbungsverfahren ist mit hohen Rekrutierungskosten verbunden, diese haben sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. Tendenz steigend. Laut einer Linkedin Umfrage finden 40 Prozent der Bewerber, dass Job-Ghosting ein legitimes Verhalten ist. 95 Prozent der Arbeitgeber haben es schon einmal erlebt.

Auch Bewerberinnen und Bewerber ghosten

An dieser Stelle kann man die Frage in den Raum werfen, was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? Oder anders gefragt: das Ghosting der Unternehmen oder das der Bewerber? Denn bei Nachfrage geben Jobsuchende oft an, bereits selbst Ghosting von Seiten des Arbeitgebers erlebt zu haben. Sie haben somit gelernt, dass dieses Verhalten normal ist, und denken sich nichts dabei, wenn sie es selbst anwenden.

Zuverlässigkeit ist einer der Werte, der immer in den Stellenanzeigen Erwähnung findet. Sowohl in der Jobbeschreibung als auch bei der Unternehmensvorstellung der künftigen Arbeitgeber.

Menschen, die pünktlich sind, halten Zusagen und Absprachen ein und informieren ihre soziale Umgebung unverzüglich, wenn sich doch einmal etwas verzögern sollte. Mit dieser Verlässlichkeit schafft man Vertrauen und es ist unerheblich, in welcher Rolle man sich befindet.

Es wird Zeit, dass dieser leicht angeschlagene Wert seine Renaissance in unserer Gesellschaft erlebt, auch wenn er mitunter etwas angestaubt um die Ecke biegt.

Die Autorin ist Unternehmerin, Personalexpertin und schreibt Bücher. Zuletzt erschien von ihr „Mehr Bewerber!“.

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