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Welchen Wert hat das Werk?

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Von: Ruth Polleit Riechert

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Ein Kunstwerk ist so viel wert ,wie jemand bereit ist, dafür zu zahlen.
Ob ein Kunstwerk als Investment oder aus anderen Gründen gekauft wird, ist eine grundlegende Entscheidung. © Jens Büttner/dpa

Was tun, wenn Erben kein Interesse an den Sammlungen ihrer Eltern haben? Verschenken, für gute Zwecke versteigern oder verkaufen. Nur: Wer kennt den angemessenen Preis? Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Eine Generation von älteren Kunstsammlern sieht sich gerade vor der Frage, wer die Werke eines Tages erben soll. Allein in den USA könnten in den kommenden Jahren etwa 73 Milliarden Dollar von den „Boomern“ an ihre Kinder weitergegeben werden. Doch oft trifft die gesammelte Kunst nicht den Geschmack der Nachkommen. Denn inzwischen hat sich eine jüngere Generation von Kunstkäufern herausgebildet, die vor allem die Werke ihrer Altersgenossen erwirbt. Sie sind tendenziell weiblicher und global vielfältiger; sehr viele von ihnen kommen aus Asien.

Was also tun, wenn Erben kein Interesse an den Sammlungen ihrer Eltern haben? Die besten Optionen bestehen darin, die Werke an Museen zu verschenken (und unter Umständen mit Steuererleichterungen), sie für guten Zwecke zu versteigern – wie demnächst die Sammlung von Microsoft-Mitgründer Paul Allen – oder die Kunst noch zu Lebzeiten zu verkaufen.

Nur: Wer kann sagen, was die erworbenen Stücke wirklich wert sind? Auktionshäuser bieten Preisschätzungen an – so erwartet etwa Christie’s bei der Allen-Auktion einen Rekordertrag von mehr als einer Milliarde Dollar. Doch den Besitzern geht es meist weniger um einen gewinnträchtigen Verkauf als um eine realistische, unabhängige Bewertung. Dafür braucht es erfahrene Analysten, die über exzellentes Datenmaterial verfügen und ohne Verkaufsziele beraten. Nur so kann die Beurteilung mehr sein als die Ermittlung eines Preises: eine unabhängige qualitative und quantitative Kunstbewertung. Sie beantwortet die Frage, die viele Kunstinteressierte umtreibt: Welchen bleibenden Wert kann Kunst haben?

Einerseits liegt der Wert eines Werkes im Auge des Betrachters. Denn so viel, wie ein Käufer an einem bestimmten Tag bereit ist, dafür zu bezahlen, beträgt auch der Marktpreis. Für die Kunstgeschichte, die Gesellschaft oder für eine Privatperson kann ein Werk jedoch andererseits einen bleibenden Wert haben, der unabhängig und nicht mit Geld zu messen ist.

Der ein oder andere mag daher enttäuscht sein, wenn die preisliche Bewertung nicht ausfällt, wie erwartet. Ob ein Kunstwerk als Investment oder aus anderen Gründen gekauft wird, ist daher eine grundlegende Entscheidung. Gerade ersteres erfordert, vor dem Zücken der Kreditkarte die richtigen Auswahlkriterien abzuklopfen und den Markt zu studieren, um die Preise richtig einzuschätzen.

Die Autorin ist promovierte Kunsthistorikerin und Kunstmarktexpertin.

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