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Bleibt berufliche Weiterbildung jetzt tatsächlich für immer online?

Gastwirtschaft

Weiterbildung neu denken

  • vonSusanne Heinz
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Unternehmen haben erkannt, dass sie ihre Aus- und Weiterbildungen schneller, effizienter und kostengünstiger online durchführen können. Online-Schulungen können allerdings nicht alles abdecken.

„Corporate Education Will Never Return To The Classroom“ – diese und ähnliche Überschriften begegnen mir in letzter Zeit immer häufiger. Hier im Forbes Magazin. Bleibt berufliche Weiterbildung jetzt tatsächlich für immer online? Und ist das gut so?

Während die einen diese beschleunigte Entwicklung als längst überfällig feiern, hoffen die anderen, dass es schon irgendwann wieder alles „normal“ werden wird. Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie ihre Aus- und Weiterbildungen schneller, effizienter und kostengünstiger online durchführen können. Trainerinnen und Trainer wünschen sich häufig die persönliche Begegnung wieder, weil sie um deren Wert wissen. Online lässt sich in genauso guter Qualität lernen, so man denn will. Und da liegt der Knackpunkt. Die, die eh schon gut und motiviert sind, werden besser, die anderen immer weiter abgehängt.

Während die einen nicht nur beruflich Online-Konferenzen abhielten, sondern so auch den Barbesuch mit Freunden ersetzten, fühlten sich die anderen schon mit der Einrichtung des heimischen digitalen Arbeitsplatzes überfordert. Wer sich alleingelassen fühlt, entwickelt Ängste vor Veränderung und vor Neuem und gibt resigniert auf.

Auf jeden Trend folgt meist ein Gegentrend, der für die Tech-Muffel ebenso gilt wie für die Digitalaffinen. Das beschreiben auch die Zukunftsforscher unseres Landes. Die ersten beschweren sich bereits: „Jetzt reicht’s aber langsam mit dem Virtuellen.“ Die neuen Entwicklungen verschwinden dadurch allerdings nicht. Es wird zwar alles wieder „normal“, aber das neue Normal sieht anders aus und digitales Lernen und Arbeiten wird ein großer Teil davon bleiben.

Sicher ist es nicht für alle Unternehmen sinnvoll, es so zu machen wie Twitter und das Homeoffice einfach komplett beizubehalten. Doch bei vielen hat sich gezeigt, dass deutlich mehr möglich ist, als bisher gedacht. Aber Lernen hat auch eine soziale Komponente. Wir können uns sprachliche Grundkenntnisse wunderbar nebenbei mit einer Sprachlern-App beibringen. „Richtig“ sprechen lernen wir allerdings erst in der Interaktion mit anderen Menschen. So ist es auch in der beruflichen Weiterbildung sinnvoll, sich das Beste aus beiden Welten zu nehmen und Formate zu entwickeln, die das Präsenz-Training zum Vorteil aller mit einbinden.

Susanne Heinz ist in der Erwachsenenbildung tätig und Expertin für Personalentwicklung.

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