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Viel auf der Arbeit zu tun zu haben, führt häufig zu Stress und dieser wird zum Statussymbol – ein Teufelskreis.
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Viel auf der Arbeit zu tun zu haben, führt häufig zu Stress und dieser wird zum Statussymbol – ein Teufelskreis.

Arbeitskultur

Was wir von Angela Merkel lernen können

  • Boris Grundl
    VonBoris Grundl
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Ständig prasseln Reize auf uns ein. Da hilft nur: Ruhig bleiben, nachdenken und erst dann handeln. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Es ist unglaublich, wie stark Tempo, Komplexität und Transparenz zunehmen. Besonders im Job prasseln ständig Reize auf uns ein, von denen jeder einzelne nach Aufmerksamkeit schreit. Wer nicht sofort reagiert, wird mit Missachtung bestraft, Menschen werfen den Zögernden mangelnde Wertschätzung oder Desinteresse vor. Um das wachsende Arbeitsvolumen zu meistern, erhöhen viele ihre Schlagzahl. So entstehen Firmenkulturen, in denen zügige Reaktionen Anerkennung auslösen. Schnelles Antworten mutiert zum Qualitätsmerkmal. Die tiefere Wirkung der Konsequenz bleibt außen vor. Viel zu tun zu haben, wird zum Statussymbol – ein Teufelskreis.

Komplexität und Transparenz lassen sich aber auch anders beantworten. Indem wir bewusst trainieren, eben nicht sofort zu springen, und uns Zeit geben, die Sache einzuordnen: Welche Bedeutung hat dieser Reiz für das übergeordnete Ziel? Bringt er mich dem Ergebnis näher? Dann ist der Reiz willkommen. Lenkt er lediglich ab, kann die Reaktion warten. Wem dieses zögernde Verhalten oft vorgeworfen wurde, ist Angela Merkel. Je mehr ein Reiz nach Aufmerksamkeit schrie, desto weniger schien sie sofort zu reagieren. War sie deswegen weniger wirksam? Weil sie Dinge mit Bedacht im Hintergrund gesteuert hat? Ich denke nicht. Für mich ist sie ein Vorbild an Gleichmut.

Das Problem an der Sache: Viele Menschen interpretieren verzögerte Reaktionen als mangelndes Interesse. Diese Leute verwechseln Gleichmut mit Gleichgültigkeit. Wer nicht sofort antwortet, signalisiert aber noch lange keine Teilnahmslosigkeit oder fehlende Identifikation. Vielleicht entscheidet vielmehr gerade ein geordneter Geist, wie er mit einer Situation umgeht? Wer Gleichmut üben will, beginnt damit, seine innere Reaktion auf einen Reiz wahrzunehmen, innezuhalten und ihr nicht zu folgen. Erfahrene bewahren Ruhe, treten einen Schritt zurück, betrachten die Sache von außen, gleichen sie mit dem Ergebnis ab und handeln erst nach durchdachter Klarheit. So bleibt die Hauptsache die Hauptsache.

Beobachten Sie mal, ob andere mit Gleichgültigkeit oder Gleichmut reagieren – und fördern sie Letzteres. Gleichmut verwandelt den Höher-schneller-weiter-Wahn in eine Flexibler-klarer-tiefer-Mentalität. Das kräftigt jede Firmenkultur! Werden Sie zum Fels in der Brandung. Besonders wenn draußen ein Sturm tobt.

Der Autor ist Führungskräfteentwickler mit eigener Akademie und Vortragsredner.

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