1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Gastwirtschaft

Was meint Karl Lauterbach mit der „Ökonomisierung“ ?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Franz Knieps

Kommentare

Gesundheitsminister Karl Lauterbach spricht am 6. Dezember zu den Medien, um einen neuen Regierungsplan zur grundlegenden Reform des deutschen Krankenhauswesens zu erläutern.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach spricht am 6. Dezember zu den Medien, um einen neuen Regierungsplan zur grundlegenden Reform des deutschen Krankenhauswesens zu erläutern. © getty

Karl Lauterbachs Kritik an einer „Ökonomisierung“ des Gesundheitswesen bleibt zu vage. Gefragt ist vielmehr ein Reformkonzept, das er politisch durchsetzen kann. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Auch wenn es ihm sichtlich schwergefallen ist, hat der Bundesminister für Gesundheit den Corona-Notfallbezirk verlassen und macht jetzt andere Bereiche der Gesundheitspolitik unsicher. Insbesondere die „Ökonomisierung“ des Gesundheitswesens hat es ihm angetan.

Was meint er damit? Meint er die Privatisierung von Gesundheitsdienstleistungen, beispielsweise in der stationären Versorgung? Meint er damit die Durchsetzung der betriebswirtschaftlichen Logik gegenüber den gesundheitlichen Anforderungen, die sich im geltenden System der Fallpauschalen – die sogenannten German Diagnosis Related Groups – breitgemacht hat? War es nicht Karl Lauterbach, der Ende der neunziger Jahre der Politik empfahl, auf ein solches System zu setzen, und organisierte er nicht damals Studienreisen in die USA und nach Australien, um Zweifler zu überzeugen?

Geflissentlich wurde bei der Einführung des deutschen G-DRG-Systems übersehen, dass diese Länder die DRGs zur Kalkulation von Budgets und nicht als Preissystem einsetzten. Etliche Kritiker haben von Anfang an eingewandt, dass Fallpauschalen nicht in der Pädiatrie oder bei schweren chronischen Krankheiten mit Multimorbidität taugen. Oder stellt der Minister grundsätzlich in Frage, dass Kostenkalkulationen in der Gesundheitswirtschaft erforderlich sind? Man weiß nicht, was er genau mit „Ökonomisierung“ meint. Das wird auch in der jüngsten Krise auf dem Arzneimittelmarkt deutlich. Es gibt gute Gründe, die Preisregulierung etwa bei Generika zu überdenken. Aber dann sollte man auch hinterfragen, ob Mondpreise für nicht immer belegte Innovationen gerechtfertigt sind und welche Renditeerwartungen die pharmazeutische Industrie gegenüber einem öffentlichen Gesundheitswesen realisieren darf.

Und verehrter Herr Minister, anweisen können Sie Ihre Mitarbeitenden, nicht aber Krankenkassen oder Kassenärztliche Vereinigungen. Die Akteure im Gesundheitswesen müssen nach den Maßgaben handeln, die das Parlament in einem Gesetz beschlossen hat. Es reicht nicht, dass der Minister im Fernsehen vollmundige Ankündigungen macht. Reformkonzepte kann jeder Gesundheitsökonom entwickeln. Sie politisch durchzusetzen ist eine sehr viel schwierigere Aufgabe. Nur daran sollte man den Minister messen.

Der Autor ist Vorstand des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen und ehemaliger Abteilungsleiter im Bundesministerium für Gesundheit.

Auch interessant

Kommentare