Die hausärztliche Versorgung und ländliche Regionen ist ebenfalls ein Problem.
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Die hausärztliche Versorgung und ländliche Regionen ist ebenfalls ein Problem.

Gastwirtschaft

Was fehlt, sind Pflegerinnen

  • Hartmut Reiners
    vonHartmut Reiners
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Die Politik redet stattdessen über Ärztemangel.

Der Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sieht in einem aktuellen Grundsatzpapier („Jetzt. Zukunft. Wohlstand und Sicherheit auch morgen“) die Bekämpfung eines drohenden Mangels an Ärztinnen und Ärzten als eine zentrale Aufgabe der Gesundheitspolitik. Darauf verweise nicht nur die Corona-Pandemie, sondern auch die nach und nach in den Ruhestand gehende „Babyboomer-Generation“ der Jahrgänge 1955 bis 1965.

Nun hat Covid-19 etliche Probleme in unserem Gesundheitswesen offengelegt, aber keinen wirklichen Mangel an Ärztinnen und Ärzten. Die Intensivstationen sind technisch und mit ärztlichem Personal gut ausgestattet. Aber diese Kapazitäten können nicht ausgelastet werden, weil qualifizierte Pflegekräfte fehlen. Die Länder haben in den letzten 25 Jahren ihre Fördermittel für die stationäre Versorgung halbiert. Die Kliniken müssen ihre Investitionen auch aus den von den Krankenkassen gezahlten Fallpauschalen finanzieren, die aber eigentlich nur die laufenden Betriebskosten abdecken sollen. Der so entstehende Kostendruck wird vor allem auf das Funktions- und Pflegepersonal abgeladen.

Während zwischen 1991 und 2016 die Zahl der in Krankenhäusern arbeitenden Ärztinnen und Ärzte um 66 Prozent zunahm, sank die Zahl der Pflegekräfte um fünf Prozent. Die so entstandene Lücke beim nichtärztlichen Personal wird auf zwischen 70 000 und 100 000 Stellen geschätzt. Damit sollen die Probleme in der ärztlichen Versorgung nicht heruntergespielt werden. Aber wir haben weniger einen allgemeinen Mangel an Ärztinnen und Ärzten, als deren regional und fachlich ungleiche Verteilung. Das gilt vor allem für die hausärztliche Versorgung und ländliche Regionen. Dort gibt es empfindliche Lücken auch in der fachärztlichen Versorgung, etwa in der Augen- und Kindermedizin.

Diese Probleme lassen sich nur mit einer Reform der Versorgungsstrukturen lösen. Die starren Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung müssen beseitigt und kooperative Formen der medizinischen und pflegerischen Versorgung aufgebaut werden, insbesondere in der Peripherie von Ballungszentren und in ländlichen Regionen. Hier muss der Hebel angesetzt werden und nicht im Ausbau der bestehenden Einrichtungen.

Der Autor ist Ökonom und Publizist. Er war Referatsleiter im brandenburgischen Gesundheitsministerium. Aktuell von ihm im Buchhandel: „Mythen der Gesundheitspolitik“.

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