Jobs, die aktuell in Kurzarbeit sind, könnten langfristig wegfallen.
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Jobs, die aktuell in Kurzarbeit sind, könnten langfristig wegfallen.

Konjunkturhilfen

Wann kommt der Ausstieg?

  • Carsten Brzeski
    vonCarsten Brzeski
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Rettungspakete sind nötig, aber nur für eine begrenzte Zeit.

Die Coronakrise hat viele schleichende Trends beschleunigt. So auch die Rolle des Staates und der Haushaltspolitik. Vorbei die Zeiten von Sparen, Strukturreformen und dem Hoffen, dass es die Notenbank schon irgendwie richten wird. Rettungspakete und Konjunkturprogramme sind in der jetzigen Situation die einzige richtige Antwort. Allerdings gilt auch hier die alte Binsenweisheit: „Viel hilft nicht immer viel.“

In der Weltwirtschaft ist Deutschland wieder wer. Krisenweltmeister. Denn kaum ein Land hat die Krise bisher so gut gemanagt, hat so viel Geld zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen auf den Tisch gelegt und gleichzeitig noch die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt, wie Deutschland. Kurzarbeit ist zum neuen Exportschlager geworden und ganz nebenbei wurde auch noch Europa gerettet.

Anlass zur Überheblichkeit sollte das allerdings nicht geben. Denn unabhängig von einer möglichen zweiten Welle des Virus, ist eine zweite Welle der wirtschaftlichen Folgen schon im Anmarsch. In den am stärksten getroffenen Sektoren gibt es erste Ankündigungen, dass gut ein Viertel der Jobs, die aktuell in Kurzarbeit sind, langfristig verschwinden könnten. Das Aussetzen der Anmeldepflicht für Insolvenzen kann auch gesunde Unternehmen in den Abgrund ziehen, wenn diese keinen gesetzlichen Anspruch haben, ausstehende Zahlungen einzuklagen.

Kurzarbeit und keine offiziellen Insolvenzen sind fast schon Wundermittel, von denen man nicht genug bekommen kann. Kaum ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, keine Insolvenzen. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Krise von kurzer Dauer ist, nach der Krise alles wieder so ist wie vorher, und es keine Strukturschwächen in der Wirtschaft gibt. Allerdings erscheint die Erfüllung dieser drei Kriterien aktuell nicht besonders realistisch. Wie auch bei der lockeren Geldpolitik wird es im Laufe der Zeit immer schwieriger, den richtigen Moment für den Ausstieg zu finden. Sicherlich liegt der nicht in einem Wahljahr. Es wäre jedenfalls sehr ungewöhnlich, wenn ein Wahljahr mit einer Mehrwertsteuererhöhung, dem Ende der Kurzarbeit und einem starken Anstieg der Insolvenzen begonnen würde.

Je länger sie andauern, umso größer wird das Risiko, dass konjunkturell richtige Entscheidungen strukturpolitisch falsch werden. Viel hilft halt nicht immer viel. (Der Autor ist Chefvolkswirt der Bank ING in Frankfurt.)

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