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Vor Publikum sprechen

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Von: Boris Grundl

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Wenige Kernbotschaften
Vor Publikum reden – nicht immer leicht. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Nur wer kompetent ist, wird rhetorisch überzeugen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Wo liegt die größte Herausforderung, um rhetorisch zu brillieren? Diese Frage löst oft erst mal Stille aus. Nach und nach schießen Antworten in den Kopf: Körpersprache!? Mimik, Gestik, Haltung? Wortwahl? Stimme? Ich sage Ihnen: Keines davon ist die Nummer eins. Es gibt etwas ganz Grundsätzliches, das vor allem steht. Weil es so elementar ist, vergessen es die meisten. Die Antwort: Die größte rhetorische Hürde ist mangelnde Kompetenz.

Nur wer ein Thema so tief durchdrungen hat, dass er nachts um drei inhaltlich klar darüber referieren kann, wird auch rhetorisch überzeugen. Dann merken die Zuhörer, dass Kompetenz aus jeder Pore kriecht. Zuhörende haben es einfach satt, von mittelmäßig bewanderten Leuten an der Nase herumgeführt zu werden. Ihre Instinkte haben sich entwickelt. Ständig prüft das Plenum: Lohnt sich das Aufnehmen und Dranbleiben? Oder kann ich in den Stand-by-Modus wechseln?

Der zentrale Ausgangspunkt für hervorragende Rhetorik ist Fachkompetenz. Das verlangt natürlich Arbeit. Egal, ob Change-Projekt oder Produktverkauf – wie klar und tief haben Sie die Sinnhaftigkeit des Ganzen durchdrungen? Wie sehr sind Sie in ein Problem hineingekrochen, um es zu verstehen? Spüren Menschen intuitiv, dass Sie echte Antworten auf Lager haben? Wer etwas zu sagen hat, muss sein Thema leben. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Obwohl ich mich zu 90 Prozent nicht bewegen kann, werde ich seit 20 Jahren als Speaker gebucht. Bei mir kaufen die Leute tiefe Klarheit zu Leadership und mentaler Transformation. Wenn das bei mir nicht aus jeder Zelle atmet, kann ich durch meine hohe Lähmung nicht überzeugen.

Die Frage lautet: Was ist Ihre Daseinsberechtigung, um vor Publikum sprechen zu dürfen? Die Antwort kann unbequeme Konsequenz mit sich bringen. Nur wenige wollen den Preis dafür zahlen. So manch einer, der inhaltlich schwimmt, bucht lieber ein Rhetoriktraining, um diese Schwäche zu kompensieren. Natürlich bedarf es weiterer Fähigkeiten für eine überzeugende Rede. Aber Kompetenz ist die Einstiegshürde. Leider nehmen das einige nicht ernst. Weil sie motivieren können, bewerten sie Fachkompetenz als weniger wichtig. Dabei lässt sich genau das regelmäßig widerlegen. Ich wünsche Ihnen viel Freude an Kompetenz. Wenn wir erprobtes Wissen aufnehmen, können wir uns gegenseitig viel schneller nach vorne bringen.

Der Autor ist Führungskräfteentwickler mit eigener Akademie und Vortragsredner.

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