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Vom Wert der Neugier für Unternehmen

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Von: Carl Naughton

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Neugier-Score als Entscheidungsbasis bei Bewerbungen? Das kann für Unternehmen sinnvoll sein (Symbolbild).
Neugier-Score als Entscheidungsbasis bei Bewerbungen? Das kann für Unternehmen sinnvoll sein (Symbolbild). © Christin Klose/dpa

Neugierige Menschen lernen leichter, sind gewissenhaft und haben oft gute Ideen. Aber viele Unternehmen nutzen diesen Wettbewerbsvorteil bisher nicht. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Sie ist eine der drei kulturellen Säulen bei Covestro, einem Global Player der Chemieindustrie. Der Niedersächsische Süßwarenhersteller Bahlsen hält sie in seinem Wertekanon fest. Das Pharmazie- und Technologieunternehmen Merck hat ihr das 350-jährige Firmenjubiläum gewidmet. Die Rede ist von der Neugier. Und das Interesse am Neuen lohnt sich: Neugier hat einen echten Wert. Bei internen Stellenbesetzungen sollte der Neugier-Score der Stellenaspiranten deshalb ein Teil der Entscheidungsbasis sein.

Wie ich gemeinsam mit Kollegen von der George Mason University in Virginia nachweisen konnte, liegt der ökonomische Nutzen der Neugier darin, dass neugierige Menschen nicht nur dem Neuen gegenüber offen sind und leichter lernen, sondern dass Neugierige auch gewissenhafter sind. In Studien von 2015 konnte ich beobachten, dass Menschen mit höherem Neugierscore bis zu 40 Prozent mehr – außerdem ungewöhnlichere –Ideen einbrachten. Neugierige sind nicht nur interessiert, sie wollen das Neue auch verstehen – eine Kombination , die auch in Ausbildung und Studium messbar relevant wird: Intelligenz, Effort, also das Bemühen, Leistung zu erbringen, und Neugier sind die drei Eckpfeiler des akademischen Erfolges.

Für die weniger Neugierigen drängt sich natürlich die Frage auf, ob diese Neugier auch nachträglich gestärkt oder wiederhergestellt werden kann. Die Antwort darauf aus meiner Arbeit für den Merck Curiosity Council fällt positiv aus. Das Pharma-Unternehmen Novartis tut dies beispielsweise mit einem 100-Stunden-Neugierprogramm für die Angestellten. Der amerikanische Telekommunikationsanbieter Verizon hat einen unternehmensinternen Neugier-Hashtag, unter dem sich Interessierte über ihren Wissenszuwachs austauschen.

Diese sichtbare Förderung der Neugier tut Not, denn in unserer weltweiten Befragung von 2015 unter dem Titel „The State of Curiosity“ meldeten nur zwölf Prozent der Befragten zurück, dass sie bei ihrer Neugier im Beruf aktiv unterstützt würden. Gleichzeitig sagten 64 Prozent, dass Neugier extrem karriereförderlich sei. Neben einigen Leuchtturmprojekten ist in Unternehmen also noch viel Luft nach oben, diesen Innovationsvorteil durch eine lebendige Neugierkultur zu nutzen.

Der Autor ist Wirtschaftspsychologe. Neben seiner Tätigkeit als Vortragsredner und Moderator forscht und lehrt er an der FOM in Frankfurt und sitzt im Council der Neugier-Initiative von Merck.

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