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Virtuelle Kopfstände

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Von: Teresa Hertwig

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Die Kamera sollte bei virtuellen Meetings immer angeschaltet sein.
Die Kamera sollte bei virtuellen Meetings immer angeschaltet sein. © Imago

Um gute Ergebnisse zu erzielen, braucht es Moderationsskills. Sonst verschwenden wir die Zeit aller Beteiligten. Dafür reicht es manchmal, bereits genutzte Methoden leicht abzuwandeln. Die Kolumne „Gastwirtschaft“. 

Führungskräfte beschweren sich häufig, dass vor allem in virtuellen Meetings Schweigen herrscht oder immer nur die gleichen etwas beitragen. Diese Meeting-Passivität liegt aber meistens nicht an den Mitarbeiter:innen, sondern an fehlender Struktur und ungeschickter Moderation.

Dass die Kamera bei virtuellen Meetings immer angeschaltet sein sollte, muss ich nach zwei Jahren Pandemie und all den Artikeln, die dazu erschienen sind, keinem mehr erzählen. Gestik und Mimik zu erkennen, reicht aber nicht, um Interaktion zu fördern.

Um gute Ergebnisse zu erzielen, braucht es Moderationsskills. Sonst verschwenden wir die Zeit aller Beteiligten. Dafür reicht es manchmal, bereits genutzte Methoden leicht abzuwandeln – zum Beispiel das Meeting-Checkin: Auf ein lapidares „Wie geht’s euch?“ folgt meist nur ein knappes „gut“ oder „okay“. Wer stattdessen mit einem Stimmungsbarometer arbeitet und nach einer Zahl zwischen eins und zehn fragt, bekommt häufig eine Erklärung mitgeliefert – vorausgesetzt, man geht mit gutem Beispiel voran.

Statt offen in die Runde um Rückmeldung zu bitten, fragt man besser eine konkrete Person nach Feedback und bittet sie, anschließend die nächste Person auszuwählen. So entsteht ein schöner Dominoeffekt. Auch die Priorisierung muss man nicht immer selbst vorgeben. Vielleicht drängt im Team ein Thema.

Schreiben alle in den Chat hinter die Agenda-Themen ihre persönliche Gewichtung von „nice to have“ (3) bis „wir können das Meeting nicht beenden, ohne darüber gesprochen zu haben“ (1), wird der Fokus schnell gemeinschaftlich gesetzt.

Eine Studie der Business Schools von Columbia und Stanford hat ergeben, dass virtuelle Meetings die Kreativität einschränken. Ich bin überzeugt, dass wir beispielsweise durch einen gut moderierten „Kopfstand“ auch über den Bildschirm neue Ideen entwickeln können. Dabei werden Lösungen entgegengesetzt zum eigentlichen Ziel gesammelt. Zum Beispiel mit der Frage: „Wie können wir sicherstellen, dass unsere Kund:innen absolut unzufrieden mit unserem Service sind?“ Diese Negativ-Szenarien zu entwickeln, macht Spaß und fördert die Aktivität aller. Dreht man diese am Ende um, haben wir eine kreative Herangehensweise an die Prozessoptimierung, die auch auf einem virtuellen Whiteboard astrein funktioniert. Meetingziel erreicht.

Die Autorin berät Unternehmen, wie sie den für sie perfekten Mix aus Büro und mobiler Arbeit etablieren.

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