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Fast acht Stück davon fanden Verbraucherschützer in einem Kinderjoghurt.

Ernährung

Zu viel Zucker

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Die Vermarktung von Lebensmitteln für Kinder muss reguliert werden.

Welches Kind bleibt da nicht am Kühlregal stehen? Es locken bunt verpackte Joghurts und Milchspeisen mit Comicfiguren, Knusperperlen oder Schokostücken – und süß schmecken sie allemal. In einem Marktcheck der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zum Beispiel kam der zuckerreichste Kinderjoghurt auf fast acht Zuckerwürfel pro Becher.

Dies ist nur ein Beispiel für eine ganze Reihe von Lebensmitteln, die mit bunten Bildern oder Sammelfiguren insbesondere Kinder ansprechen sollen. An die Eltern adressierte Werbebotschaften wie „mit wertvollen Vitaminen“ sollen auf vermeintlich positive Effekte der Lebensmittel hinweisen. Doch was steckt wirklich drin? Leider viel zu oft gerade keine kindgerechten Lebensmittel. Sondern zu viel Zucker, Fett oder Salz.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Carolin Krieger, Lebensmittelexpertin beim Bundesverband Verbraucherzentrale.

Es ist erschreckend, dass einer Untersuchung des Bundesforschungsinstituts für Ernährung und Lebensmittel, das Max-Rubner-Institut, aus dem Jahr 2016 zufolge Frühstücksflocken für Kinder fast doppelt so viel Zucker wie die Produkte für Erwachsene enthielten. Kommen solche Produkte regelmäßig auf den Teller, gewöhnen sich die Jüngsten früh an den süßen Geschmack. Fehlernährung und ernährungsmitbedingte Krankheiten können die Folge sein.

Es ist höchste Zeit, zu handeln. Die Bundesregierung sollte Werbung und Marketing für Lebensmittel, die sich an Kinder richten, endlich regulieren. Denn Kinder gilt es in besonderem Maße zu schützen. Nur wenn Produkte bestimmte Obergrenzen von Zucker, Fett oder Salz nicht überschreiten, sollten sie in Aufmachung und Gestaltung an Kinder vermarktet werden dürfen. Basis sollten die von der Weltgesundheitsorganisation WHO entwickelten Kriterien sein. Danach sollten etwa Frühstückscerealien für Kinder maximal 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten. Der durchschnittliche Gesamtzuckergehalt der Produkte liegt im Moment fast doppelt so hoch: bei 29,2 Gramm.

In einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands sprechen sich 83 Prozent der Verbraucher für eine solche staatliche Regulierung aus. Eltern, Großeltern, Lehrerinnen und Erziehern würde dies dabei helfen, Kinder für eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu begeistern – und den Familien-Einkauf würde es auch erleichtern.

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