+
Agrar- und Ernährungsthemen stehen wieder auf der internationalen Agenda. 

Gastwirtschaft

Verteufeln hilft nicht

  • schließen

Landwirtschaft ist mehr als ein Eingriff in die Natur.

Die Agrarminister eröffnen auch dieses Jahr wieder die Serie der Fachministertreffen der G20, der Gruppe der 20 wichtigsten Volkswirtschaften. Dieses Jahr hat Japan den Vorsitz. Auf der Agraragenda stehen alte und neue Themen: Das Agrarmarkt-Informationssystem Amis, 2011 auf französische Initiative aus der Taufe gehoben, braucht dauerhafte Finanzierung. Die Digitalisierung der Landwirtschaft, 2016 von China eingebracht und ein Schwerpunkt der deutschen G20-Präsidentschaft, muss seine spezifischen Interessen in der sich rapide entwickelnden Digitalwelt behaupten. Der Einsatz von Antibiotika als Wachstumsförderer in der Tiermast, ein anderes von Deutschland eingebrachtes Thema, soll eingestellt werden; bis 2020 sollen die G20-Länder ihre Ausstiegspläne vorlegen. Wasser (2017 Deutschland) und Boden (2018 Argentinien) waren schon Themen der G20 und in diesem Jahr werden es die Nachhaltigkeit von Agrarwertschöpfungsketten und des gesamten Nahrungssystems sein.

Landwirtschaft und Ernährungssicherung sind noch nicht lange wichtige Themen der G7 oder G20. In Zeiten niedriger Agrar-Weltmarktpreise in den 90er und 00er-Jahren waren dies eher Nischenthemen. Erst mit der Agrarpreiskrise 2007/2008 änderte sich das. Durch eine Verkettung von Umständen verdoppelten und verdreifachten sich viele internationale Nahrungsmittelpreise in kurzer Zeit. Dadurch gab es einen weltweiten Schub an Armut und Hunger, in vielen Ländern auch politische Unruhen und die Furcht vor globaler Nahrungsmittelknappheit. Und plötzlich waren Agrar- und Ernährungsthemen wieder auf der internationalen Agenda.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Dr. Michael Brüntrup ist Agrarökonom am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Bei all den angesprochenen Problemen sollte nicht vergessen werden, dass die Landwirtschaft nicht nur quasi per Definition einen Eingriff in die Natur darstellt und dabei Naturressourcen gebraucht oder sogar zerstört. Sie ist gleichzeitig die Quelle fast der gesamten Nahrung der Menschheit, eines großen Teils der Einkommen armer Haushalte in ärmeren Ländern und in nicht wenigen Fällen sogar der Artenvielfalt. Eine simple Verteufelung ist da nicht hilfreich. Zur Behebung der Probleme sollte nicht über sie, sondern muss mit ihr debattiert werden. Darum gehören Landwirtschaft und Ernährungssicherung in die G20, wo oft sehr unterschiedliche Ernährungs- und Agrarprobleme an einem Tisch sitzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare