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Auf der ganzen Welt protestieren Frauen für das Recht, über ihren eigenen Körper bestimmen zu dürfen – so wie diese Frau in Mexiko.
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Auf der ganzen Welt protestieren Frauen für das Recht, über ihren eigenen Körper bestimmen zu dürfen – so wie diese Frau in Mexiko.

Besitzansprüche

Verteidigung von Phantoms

  • VonJim Elmer
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Von rassistischer Polizeigewalt, Vergewaltigungen und Frauenmorden bis hin zu rechtsextremen Terroranschlägen - es geht um das Ausleben eines jahrhundertealten Instinkts der Vorherrschaft.

Spätestens seit dem Aufstieg rechtsnationaler Parteien und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ist eine Rückkehr autoritärer Tendenzen in Politik und Gesellschaft zu beobachten. Einen vielversprechenden neuen Ansatz zu dessen Erklärung liefert das Konzept des „Phantombesitzes“, das die Philosophin Eva von Redecker zur Grundlage ihrer Analyse der neuen Protestformen macht („Revolution für das Leben“). Demnach haben sich in frühkapitalistischen Herrschaftsbeziehungen der Sklaverei und der patriarchalen Ehe rassistische und sexistische Besitzansprüche verankert, die trotz der formalen Abschaffung ihrer institutionalisierten Form bis heute überlebt haben.

Analog zum Phantomschmerz, dem Schmerzempfinden in amputierten Gliedmaßen, ist Phantombesitz der gefühlte Anspruch auf eine ehemals rechtlich garantierte Verfügungsgewalt – über die ganze Person (Weiße über Schwarze) beziehungsweise die weibliche Reproduktionstätigkeit (Männer über Frauen).

In der mildesten Form macht sich dies in den konservativen Widerständen gegen linke Identitätspolitik bemerkbar. Wenn an emanzipatorische Fortschritte anknüpfend etwa über gendergerechte Sprache oder Alltagsrassismus diskutiert wird, nehmen Phantombesitzer:innen schnell eine irritierte Abwehrhaltung ein („Was darf man denn überhaupt noch sagen?“), um sich gegen den Verlust der überlegenen Stellung zu immunisieren. Gravierender wird es, wenn Besitzansprüche auf neuen Wegen wieder institutionalisiert werden. So wird Phantombesitz mit abschottenden Grenzregimes oder Abtreibungseinschränkungen stabilisert, wobei die Inbesitznahme von Leben und Körpern nicht mehr auf individueller, sondern auf gesellschaftlicher Ebene stattfindet. Wenn diese etablierten Methoden nicht genügen, werden wiederum vermehrt autoritäre Parteien gewählt, die die Wiederherstellung der alten Verhältnisse versprechen.

Schließlich greifen die radikalsten Phantombesitzer:innen auf physische Gewalt zurück – von rassistischer Polizeigewalt, Vergewaltigungen und Frauenmorden bis zu rechtsextremen Terroranschlägen wie in Christchurch und Hanau. Dass diese oft mit einer Rhetorik der Selbstverteidigung gerechtfertigt werden, bringt von Redeckers Argument auf den Punkt – es geht um die Verteidigung von Phantombesitz, dem Ausleben eines jahrhundertealten Instinkts der Vorherrschaft.

Der Autor ist Mitglied der studentischen Initiative „Was ist Ökonomie?

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