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Versicherer und das Klima

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Blick auf Kohlekraftwerk. Versicherer tragen selbst zum Klimawandel bei -  unter anderem durch die in fossilen Energien angelegten Prämien.
Blick auf Kohlekraftwerk. Versicherer tragen selbst zum Klimawandel bei - unter anderem durch die in fossilen Energien angelegten Prämien. © Patrick Pleul/dpa

In der Debatte wird oft übersehen, dass Versicherer, die ihr Geschäftsmodell durch den Klimawandel gefährdet sehen, selbst zum Klimawandel beitragen. Jetzt braucht es eine mutige Regulierung.Die Kolumne „Gastwirtschaft“ von Julia Symon.

Versicherungsunternehmen und Versicherte werden vermehrt mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Die Schadenauszahlungen steigen, die Absicherung in stark gefährdeten Gebieten wird teurer. Da bundesweit nur 50 Prozent der Bürger:innen und Unternehmen versichert sind, gegenüber 46 Prozent in 2021, muss der Staat oft bei Schadenzahlungen einspringen.

In der aktuellen Debatte um die Pflichtversicherung für Elementargefahren plädieren die Versicherer dafür, sich auf Klimafolgenanpassung und Schadenprävention zu konzentrieren. Bei steigenden Klimaschäden wird das Geschäft ansonsten weniger profitabel oder rentiert sich irgendwann nicht mehr. Der Staat dagegen will das Absicherungsniveau gegenüber Klimarisiken erhöhen, erkennt aber, dass dies zu steigenden Risikoprämien führen kann.

Um das Prämienniveau für die Bürger:innen erschwinglich zu halten und den Versicherern zugleich die risikoadäquaten Prämien zu garantieren, will der Staat fiskalische Maßnahmen prüfen. Ob der Staat die Schäden teilweise trägt oder die Absicherung fiskalisch subventioniert, die Last landet bei den Steuerzahler:innen.

Jede Klimaanpassungsstrategie stößt an Ihre Grenzen. Wissenschaftler:innen warnen, dass ein globaler Temperaturanstieg von über zwei Grad zu katastrophalen und unumkehrbaren Klimaveränderungen führen wird. Zurzeit steuern wir auf 3,2 Grad zu. Es bedarf einer Klimarisikopräventionstrategie – und zwar nicht auf Ebene des kleinen Versicherten, sondern auf Ebene der gesamten Wirtschaft.

In der Debatte wird oft übersehen, dass Versicherer, die ihr Geschäftsmodell durch den Klimawandel gefährdet sehen, selbst zum Klimawandel beitragen. Dies geschieht durch die in fossilen Energien angelegten Prämien, welche Versicherer in ihren Portfolios verwalten, aber auch durch die Absicherung des mit fossilen Brennstoffen verbundenen Vermögens und Aktivitäten.

Die damit verbundenen Risiken für das Klima und die Versicherer sind aktuell in der Regulierung nicht berücksichtigt. Die gute Nachricht ist, dass diese Regeln gerade auf EU-Ebene überarbeitet werden. Damit besteht die Chance, Versicherer endlich dazu zu verpflichten, ihre Geschäftsmodelle in Einklang mit den Klimazielen zu bringen. Was wird entscheidend sein, um dies umzusetzen? Ein starker politischer Wille.

Die Autorin ist Leiterin der Forschungsabteilung bei der NGO Finance Watch .

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