Binnen einer Woche wurde Wirecard vom Dax-Hoffnungsträger zum Insolvenzfall.
+
Binnen einer Woche wurde Wirecard vom Dax-Hoffnungsträger zum Insolvenzfall.

„Gastwirtschaft“

Wirecard: Das Versagen der Aufsicht

  • vonGerhard Schick
    schließen

Der Fall Wirecard ist der vorläufige Schlusspunkt in einer Reihe von Finanzskandalen, die die Schwächen der Bafin offenbaren. Höchste Zeit zu handeln. 

Die Causa Wirecard ist ein echter Wirtschafts-Krimi. Von 1,9 Milliarden Euro, welche auf philippinischen Treuhandkonten liegen sollten, fehlt jede Spur das sind immerhin rund 25 Prozent der Bilanzsumme. Damit ist Wirecard innerhalb einer Woche vom Dax-Hoffnungsträger zum Insolvenzfall geworden: Der Fall ist schon jetzt ein Armutszeugnis für den Finanzplatz Deutschland.

Denn eigentlich gibt es Sicherungslinien, die solche Skandale verhindern sollen, insbesondere die Finanzaufsicht und die Wirtschaftsprüfer. Sie können zwar nicht jede kleine Betrügerei sofort verhindern, wohl aber Megafälle wie Wirecard, die sich über mehrere Jahre hinziehen und einen Milliardenschaden verursachen. Beide Sicherungslinien haben im Fall Wirecard kläglich versagt – und bei beiden kann das niemanden überraschen.

Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat bereits bei früheren Skandalen gezeigt, dass sie zu mutlos, langsam und formal agiert und für eine Bekämpfung von Finanzkriminalität völlig falsch aufgestellt ist. Beispiele hierfür sind die kriminellen Cum-ex-Geschäfte, an denen eine Vielzahl von Banken und Fonds in Deutschland beteiligt war. Die Finanzaufsicht hielt sich nicht für zuständig. Oder die Pleite der Firma P&R, die Anlagen in Schiffscontainer vermittelte, die teilweise gar nicht vorhanden waren. Auch hier griff die Aufsicht trotz Hinweisen nicht durch. Nach diesen Skandalen fehlte es an einer Neuaufstellung der Behörde. Diese muss jetzt nachgeholt werden – mit neuem Personal an der Spitze.

Schon bei der Bankenkrise 2008 standen die Wirtschaftsprüfer in der Kritik. Die von der EU-Kommission anschließend geplante Reform des Prüferwesens wurde jedoch insbesondere von den vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften fast komplett ausgebremst. Kein Wunder also, dass dieselben Probleme, die schon vor zwölf Jahren thematisiert wurden, bei Wirecard wieder sichtbar werden. Zentral ist etwa der Interessenkonflikt, der daraus resultiert, dass Prüfungsunternehmen auch Beratungsleistungen anbieten dürfen: Wer legt sich schon gern mit potenziellen Kunden an? Die verhinderte Reform muss deshalb schleunigst nachgeholt werden.

Wenn erneut die nötigen Konsequenzen aus einem solchen Skandal ausbleiben, ist der nächste große Finanzskandal vorprogrammiert. Es ist an der Zeit endlich zu handeln.

Gehard Schick, der Autor der heutigen Kolumne aus der Reihe „Gastwirtschaft“, ist Vorstand der gemeinnützigen Bürgerbewegung Finanzwende e.V.

Kommentare