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Die Forderung, die coronabedingten Lasten über Steuern zu verteilen, hat bislang kaum einen Hund hinter dem Ofen hervorgelockt.
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Die Forderung, die coronabedingten Lasten über Steuern zu verteilen, hat bislang kaum einen Hund hinter dem Ofen hervorgelockt.

Krisenkosten

Vermögende zur Kasse

Die gerechte Verteilung der durch die Corona-Krise entstandenen Kosten steht noch aus. Die Gastwirtschaft.

In der Krise der 1920er Jahre führte das Rote Wien eine Steuer auf Luxushunde wie Dackel, Bodensteuern, eine Wertzuwachs- und eine Fürsorgeabgabe ein und verwendete die Einnahmen für Gemeindewohnungen. Die materielle Absicherung in der aktuellen Corona-Krise ist weniger hundeelend, nicht aber die Krisenwahrnehmung. Nach einer Social-Media-Diskussion über des Pudels Kern der Querdenker rief mich ein Schulfreund und Besitzer einer Hundeschule an. Er meinte: Die Leute haben Angst, auf den Hund zu kommen.

In der Tat trifft die Corona-Krise verschiedene Gruppen unterschiedlich. Die letzten beißen die Hunde. Verlierer sind Personen mit niedrigen Einkommen und in prekären Beschäftigungen, Freiberufler und Selbstständige, Frauen, Eltern mit Kindern und Personen mit Migrationshintergrund. Vermögende profitieren hingegen von steigenden Immobilienpreisen und Aktienwerten. Der verschwörungstheoretischen Aussage, dass die Krise benutzt wird, um Interessen von Reichen und Mächtigen durchzusetzen, stimmt vor allem das Lager der Verlierer zu: Personen mit niedriger formaler Bildung, Menschen, die unter Einkommenseinbußen leiden, Arbeitslose und Arbeiter.

Querdenker gehen hier jagen und kommen mit regressiven Forderungen angedackelt, während eine gerechte Verteilung der Krisenkosten aussteht. Die Forderung, Lasten über Steuern zu verteilen, hat bislang kaum einen Hund hinter dem Ofen hervorgelockt. Aber der Hundeschulebesitzer wünscht sich Digitalsteuern um Selbstständigen zu helfen. Die Politik ist bei der Besteuerung internationaler Unternehmen nicht mehr so hasenfüßig wie früher, hat aber noch Luft nach oben. Digitalsteuern werden international verhandelt, Mindeststeuern sollen den Wettlauf nach unten stoppen.

Mit Samtpfötchen angefasst werden die Vermögenden. In Krisenzeiten wurden hohe Vermögen mit unterschiedlichem Erfolg besteuert. Während das „Reichsnotopfer“ von 1919 an fehlenden Kapazitäten der Finanzverwaltung und Steuerflucht scheiterte, war die Vermögensabgabe des Lastenausgleichsgesetzes von 1952 ein großer Erfolg. Welchen Beitrag eine Abgabe heute leisten kann, da liegt der Hund begraben.

Silke Ötsch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen und Vertretungsprofessorin an der Universität Hamburg.

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