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Die Agrarlobby fordert von der Bundesregierung, dass ausländische Saisonkräfte auch 2021 wieder für fünf Monate oder 115 Arbeitstage auf deutschen Feldern arbeiten dürfen, ohne dass die Arbeitgeber sie krankenversichern müssen.
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Die Agrarlobby fordert von der Bundesregierung, dass ausländische Saisonkräfte auch 2021 wieder für fünf Monate oder 115 Arbeitstage auf deutschen Feldern arbeiten dürfen, ohne dass die Arbeitgeber sie krankenversichern müssen.

Gastwirtschaft

Unsoziale Ernte

  • Wolfgang Kessler
    vonWolfgang Kessler
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Die Agrarverbände wollen Saisonkräfte auf deutschen Feldern auch in diesem Jahr wieder länger beschäftigen dürfen. Die Ausbeutung dieser Arbeitskräfte muss ein Ende haben.

Essen macht glücklich, sagen viele Menschen. Die Frage ist jedoch: Wen? Geht es nach den Agrarverbänden, soll sich das Glück der Erntehelfer aus Osteuropa auch in diesem Jahr in engen Grenzen halten. Die Agrarlobby fordert von der Bundesregierung, dass ausländische Saisonkräfte auch 2021 wieder für fünf Monate oder 115 Arbeitstage auf deutschen Feldern arbeiten dürfen, ohne dass die Arbeitgeber sie krankenversichern müssen. Zwar zahlen manche Landwirte in eine Erntehelfer-Versicherung ein. Doch längst nicht alle.

Mit ihrer Forderung zeigen die Verbände, dass man von der Corona-Krise auch das Falsche lernen kann. In „normalen“ Jahren können ausländische Saisonkräfte nur für maximal 70 Arbeitstage sozialversicherungsfrei beschäftigt werden. Da wegen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr weniger Erntehelferinnen und Erntehelfer aus Osteuropa einreisen konnten, verlängerte die Bundesregierung diese Frist auf 115 Arbeitstage. Nun wollen die Landwirte ihre Saisonkräfte auch 2021 länger ausnutzen dürfen.

Dabei zeigte sich schon 2020, wie hoch das Gesundheitsrisiko der Saisonarbeitskräfte sein kann. Hunderte infizierten sich mit dem Corona-Virus. Gleichzeitig wurde den Erntehelfern klar gemacht, dass sie einen Krankenwagen selbst bezahlen müssen. Da sie zumeist nur den gesetzlichen Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde erhalten und davon noch Unterkunft und Verpflegung bezahlen müssen, kommt die mögliche Bezahlung von Krankenkosten einer Drohung gleich.

Um ihre Forderung durchzusetzen, heizen die Agrarverbände den Verbraucherinnen und Verbrauchern mit alarmierenden Meldungen ein. Die Versorgung mit frischen Lebensmitteln zu bezahlbaren Preisen sei nur garantiert, wenn viele Saisonarbeitskräfte möglichst lange hier sein dürften.

Dabei könnten doch gerade eine bessere Bezahlung, mehr soziale Sicherheit und ein effektiver Schutz vor Infektionen mehr Arbeitskräfte aus Osteuropa anlocken. Viel teurer würden die Lebensmittel dadurch nicht. Die zuständige Gewerkschaft IG Bau hat errechnet, dass ein um drei Euro höherer Stundenlohn den Preis von zehn Kilo Spargel gerade mal um 30 Cent verteuern würde.

Das wäre kein allzu hoher Preis, um auch die Erntehelfer ein wenig an unserem Essensglück teilhaben zu lassen.

Wolfgang Kessler ist Wirtschaftspublizist. Er schrieb das Buch „Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern“.

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