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Die Schufa weiß nicht alles, aber sehr viel über uns. Künftig könnte es noch mehr werden.
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Die Schufa weiß nicht alles, aber sehr viel über uns. Künftig könnte es noch mehr werden.

Projekt „Check Now“

Unmoralische Offerte

  • Klaus Müller
    vonKlaus Müller
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Wenn die Schufa eine zweite Chance einräumt.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten endlich die Wohnung gefunden, die sie so lange gesucht haben. Gute Lage, gepflegtes Gebäude, ein abgetrenntes Zimmer für die Kinder. Die Vermieterin würde Ihnen ja gerne den Zuschlag geben, sagt sie. Aber sie habe Zweifel an Ihrer Bonität. Sie müssten ihr deshalb alle Kontoauszüge des vergangenen Jahres ausdrucken und ihr überlassen – dann werde sie nochmal drüber nachdenken.

Ersetzen wir nun die aufdringliche „Vermieterin“ durch „Wirtschaftsauskunfteien“ – und wir landen vom Gedankenexperiment in der Realität. Deutschlands größte Auskunftei, die Schufa, plant gerade mit dem Projekt „Check Now“ ein ziemlich unmoralisches Angebot. Menschen, die aufgrund schlechter Bonitätsbewertung keinen Vertrag bekommen, sollen ihre Kontoauszüge offenlegen und so eine „zweite Chance“ erhalten.

Für Verbraucherschützer:innen ist das ein gefährlicher Irrweg. Mit großer Sorge beobachten wir, dass viele Unternehmen derzeit Big-Data-Geschäftsmodelle entwickeln, die zu vollkommen durchleuchteten Verbraucher:innen führen würden. Ein Blick in unsere Kontobewegungen würde den Auskunfteien etwa offenbaren, in welcher Partei oder Gewerkschaft wir Mitglied sind, welche Zeitschriften wir abonniert haben, welche Hobbies wir pflegen oder wo wir uns in der Freizeit engagieren. Rückschlüsse auf Persönlichkeit, wirtschaftlichen Status, politische oder sexuelle Präferenzen wären so ein Leichtes. Gruselig.

Schon heute weiß die Schufa nicht alles, aber sehr viel über uns. 943 Millionen Einzeldaten zu 67,9 Millionen Personen und sechs Millionen Firmen sind in ihren Rechnern und Archiven gespeichert. Sie entscheiden maßgeblich darüber, ob jemand ein Konto eröffnen, einen Handyvertrag abschließen oder einen Kredit aufnehmen kann. Gleichzeitig sind die Kriterien des Schufa-Score ein ähnlich streng gehütetes Geheimnis wie das Rezept von Coca-Cola.

Angesichts dieses Wissens- und Machtgefälles damit zu argumentieren, dass die Verbraucher:innen der Datenauswertung bei „Check Now“ ja freiwillig zustimmen würden, werden Kunden:innn, die gerade erst von einem potenziellen Vermieter oder einer Vermieterin oder einem Telefonanbieter abgelehnt wurden, anders sehen.

Politik und Datenschützer:innen sind nun gefragt. Gläserne Verbraucher:innen sind kein erstrebenswertes Ideal – und sollte auch nicht durch die Hintertür eingeführt werden.

Der Autor ist Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

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