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Warum sind hier aber die Profitraten so extrem unterschiedlich?

Gastwirtschaft

Unanständige Profitraten

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Die Förderung für kleine und mittlere Unternehmen muss dringend überdacht werden - das zeigt ein Blick auf die exorbitant hohen Profitraten.

Was ist nicht schon alles zum sogenannten Mittelstand geschrieben worden. Zu den kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten und einem Umsatz bis zu 50 Millionen Euro im Jahr. Das Rückgrat und die Seele der deutschen Wirtschaft. Nur mittelständische Unternehmer würden mit ihrem Kapital haften und kennen jeden ihrer Beschäftigten persönlich. Jede Entlassung von Mitarbeitern würde ihnen das Herz brechen. Jeder Politiker muss selbstverständlich den Mittelstand beachten. Es gibt Unterstützung, Subventionen und Steuererleichterungen. Sind diese aber gerechtfertigt?

Schauen wir uns dazu die entscheidende Größe in einer marktwirtschaftlich-kapitalistischen Ordnung an: die Profitrate. Also wie verzinst sich das eingesetzte Kapital mit Gewinn? Der Befund erstaunt und macht gleichzeitig wütend. Hier lag von 2005 bis 2016 bei den Mittelständlern die Eigenkapitalrendite jahresdurchschnittlich bei sage und schreibe 40,4 Prozent vor und 35,7 Prozent nach Steuern. Die Großunternehmen kommen im gleichen Zeitraum auf Werte von „nur“ 16,7 und 13,9 Prozent.

Heinz-Josef Bontrup ist Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik.

Warum sind hier aber die Profitraten so extrem unterschiedlich? Einmal abgesehen davon, dass auch die Profitraten der Großunternehmen unanständig hoch ausfallen, muss man bei den Mittelständlern erst noch die Vokabel für die Höhen der Profitraten erfinden. Es macht einen geradezu sprachlos.

Die Ursachenanalyse deckt die Unterschiede aber objektiv auf. Es liegt nicht an der Verteilung der Wertschöpfung auf Lohn- und Mehrwertquote. Im Gegenteil: Hier beuten die Großunternehmen ihre Beschäftigten mit einer Lohnquote von 72,2 Prozent mehr aus als die Mittelständler mit einer Quote von 77,7 Prozent. Nein, der entscheidende Unterschied ist die Kapitalintensität in Relation zur wertmäßigen Arbeitsproduktivität. Wie viel Kapital muss eingesetzt werden, um eine zusätzliche Einheit Wertschöpfung zu erzielen? Diese Relation zeigt uns die Kapitalproduktivität. Hier kamen die Großunternehmen von 2005 bis 2016 auf einen durchschnittlichen Wert von nur 17,1 Prozent, während mittelständische Unternehmen mit 38,9 Prozent weit mehr als doppelt so gut abschnitten, und die aus Sicht der Kapitaleigner schlechtere Verteilung weit überkompensieren konnten. Wir müssen offensichtlich die staatliche Mittelstandsförderung heftig überdenken.

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