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Ein Beitrag zum Frieden: Warum es sinnvoll ist, russische Touristenvisa zu versagen

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Von: Hilke Brockmann

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Die Untersagung von Touristenvisa untergräbt nicht das Recht auf humanitäre Visen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Frankfurt – Sommerzeit – glückliche Reisezeit. Im dritten Corona-Sommer öffnen nun fast alle Länder ihre Grenzen. Mit dem deutschen Pass erreicht der Strom der Urlaubsreifen 190 Destinationen ganz oder fast ohne Visum. Anders soll es den Russen ergehen. Nach dem Wunsch der nordischen EU-Länder, dem tschechischen Ratspräsidenten und der ukrainischen Regierung sollen russische Touristen zu Hause bleiben.

Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin macht auf Twitter unmissverständlich klar, dass Reisen in Europa ein Privileg sei und kein Menschenrecht. Und Recht hat sie. Olaf Scholz zögerlicher Widerstand überzeugt hier nicht. Russlands Angriff auf die Ukraine ist nicht nur Putins Krieg, wie Scholz behauptet. Viele Menschen in der russischen Bevölkerung sind der imperialen Propaganda auf den Leim gegangen.

Zwei russische Touristen besuchen 2020 den Musikpavillon auf dem Schlossplatz in Stuttgart. Aber sind russische Touristenvisa heute, im Jahr 2022 noch gerechtfertigt?
Zwei russische Touristen besuchen 2020 den Musikpavillon auf dem Schlossplatz in Stuttgart. Aber sind russische Touristenvisa heute, im Jahr 2022 noch gerechtfertigt? © Tom Weller/dpa

Keine Visa für Russ:innen – Reiseboykott statt Besuchsrecht

Selbst in Deutschland lebende Russen mit Zugang zu unzensierten Medien teilen oftmals die völkerrechtswidrigen Phantasien der russischen Herrscherclique. Aber auch all die Schweigsamen, die sich wegducken und in Ruhe gelassen werden wollen, stützen die Kriegsmaschinerie. Jeder ist an diesem Krieg beteiligt und muss einen Beitrag zum Frieden leisten.

Wenn Europäer unter der Unsicherheit eines eskalierenden Krieges und unter explodierenden Energiepreisen leiden, wenn Ukrainer von konventioneller und vielleicht sogar atomarer Zerstörung tagtäglich tyrannisiert werden, dann soll die russische Bevölkerung unbehelligt europäische Strände, Museen und Kaufhäuser besuchen dürfen? Das ist grotesk. Und es wäre noch effektiver, wenn sich auch die Türkei, Dubai und andere Ausweichquartiere diesem Reiseboykott anschlössen.

Ein Visums-Verbot für Russ:innen untergräbt nicht das Recht auf humanitäre Visen

Kritische Stimmen warnen vor der Gefährdung russischer Dissidenten bei einer Einschränkung der Reisefreiheit. Aber die Untersagung von Touristenvisa untergräbt nicht das Recht auf humanitäre Visen. Das schützt das Völkerrecht und das muss natürlich unangetastet bleiben.

Im Gegenteil, die Europäer sollten sich darauf einigen, russische Kriegsgegner großzügig willkommen zu heißen. Allen anderen Russ:innen muss klar werden, dass sie Teil eines Systems sind, das nur sehr, sehr wenigen dient und die große Mehrheit in den moralischen Abgrund stößt. Ein Visums-Verbot wäre ein wichtiger Beitrag, um die russische Schweigespirale zu durchbrechen. (Hilde Brockmann)

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