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„Deutschland gegen Corona-Virus gut aufgestellt“, titelt eine Zeitung und meint damit nicht etwa den Bevölkerungsschutz, sondern die Reserven und ins Auge gefassten Ausgleichszahlungen des Finanzministers an betroffene Industrien und Mehrheitsanleger.

Gastwirtschaft

Über Viren und Fetischisten

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Die Corona-Krise zeigt es mal wieder: Überall herrschen die gleichen Handlungsmuster - und sie bewirken nichts Gutes. 

Was Tigermücke, Sars, Sika und Schweinegrippe nicht vermochten, schafft der Corona-Virus: Die endgültige Bankrotterklärung der Globalisierung. Mit ihm schlägt die Natur gegen ihre ärgsten Gegner zurück: Kreuzfahrer, Ferntouristen, Flugschamverweigerer, Handelsfetischisten.

Besonders pikant: Selbst Wirtschaftsinstituten und Globalisierungsbejublern wird jetzt klar, dass es nicht besonders klug ist, sich bei der Produktion von Autozubehör, Antibiotika, Schutzanzügen und Desinfektionsmitteln ausgerechnet von Ländern abhängig zu machen, in denen man Fledermäuse, Gürteltiere oder Nashornpulver verspeist.

Titelte eine große überregionale Zeitung doch tatsächlich: „Deutschland gegen Corona-Virus gut aufgestellt.“ Und meinte damit nicht etwa den Bevölkerungsschutz, sondern die Reserven und ins Auge gefassten Ausgleichszahlungen des Finanzministers an betroffene Industrien und Mehrheitsanleger.

Gastwirtschaft 

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Günther Moewes,  emeritierter Professor für Industrialisierung und Verteilungs- und Wachstumskritiker.

Wie kommt das? Über die Diskrepanz zwischen Wirtschaftsliberalismus und Bevölkerungsinteressen ist an dieser Stelle schon mehrfach nachgedacht worden. Dieses Muster zieht sich inzwischen durch alle Lebensbereiche, ebenso wie die zugehörigen Augenwischereien, Pikanterien und die stets zu laschen und zu späten Maßnahmen. Rechtzeitige Grenzschließungen, Reise- und Handelsbeschränkungen traut sich keiner: Denn sie verstoßen ja gegen den Wachstumsfetischismus.

Beispiel Klimakatastrophe: Wirtschaftsinteresse stehen diametral gegen Natur- und Bevölkerungsinteresse. Alles zu spät und zu lasch. Beispiel Fanproteste bei Fussballspielen: „Chaoten gegen Mäzen“ formulierten die konservativen Mehrheitsmedien. Oder vielleicht doch eher: Junge Abgehängte gegen „Mehrheitseigner“? Zweifellos kam es zu ungehörigen Beleidigungen. Aber auch hier eine Pikanterie: Wer hat denn diese Fäkalsprache entfesselt? Antwort: Die „Mehrheitseigner“ aus dem Silicon Valley mit ihren zynisch so genannten „sozialen Netzwerken“, gegen die die Staaten nicht nur kaum etwas unternehmen, sondern deren Repräsentanten von Kanzlerin und Ministern unterwürfig wie Staatsgäste empfangen werden.

Wie viele Viren, Dürren, Hassmails, Fluten und Orkane muss es noch geben, bis die Unverantwortlichen begreifen, dass ihre Wirtschafts- und Arbeitsideologie die Ursache ist?

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