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Transparenz für die Blackbox Schufa

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Von: Astrid Deilmann

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Deutschlands größte private Wirtschaftsauskunftei verfügt über intime Finanzdaten von rund 68 Millionen Deutschen.
Deutschlands größte private Wirtschaftsauskunftei verfügt über intime Finanzdaten von rund 68 Millionen Deutschen. © Michael Schick

Die Schufa muss endlich auf Vorderfrau gebracht werden. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Wenn sich das Gespräch um große Datensammler dreht, geht es meist um Alphabet (Google) oder Meta (Facebook, Whatsapp). Dabei sitzt direkt in Deutschland ein Unternehmen, das mit Meta & Co. durchaus mithalten kann: die Schufa. Deutschlands größte private Wirtschaftsauskunftei verfügt über intime Finanzdaten von rund 68 Millionen Deutschen.

Auf Basis der Daten bewertet die Schufa unsere Zahlungsfähigkeit und vergibt sogenannte Schufa-Scores. Die Höhe des Scores entscheidet, ob ein Handyvertrag zustande kommt, wir den Zuschlag für die 3-Zimmer-Wohnung erhalten oder die Bank uns den Kredit für den Hausbau gewährt. Die Daten wirken sich also direkt auf unser Leben aus.

Nun zeigt der schwedische Finanzinvestor EQT Private Equity Interesse an der Schufa. Wie bei allen Finanzinvestoren steht auch bei ihm qua Geschäftsmodell die Rendite im Fokus. Bei der Schufa hofft EQT laut interner Papiere auf Rendite im zweistelligen Bereich. Die Frage, die sich mir aufdrängt: Lassen sich diese hohen Erwartungen mit Datenschutz in Einklang bringen?

Nach außen gibt sich EQT als verbraucherfreundlich und will mehr Einsicht in die gesammelten Daten gewähren. Die Sorgen über sein Interesse an der Schufa nimmt mir der Investor mit seinem Versprechen aber nicht. Und schaue ich auf das Echo, das die Ankündigung des Kaufinteresses auslöst, empfinden viele ähnlich.

Völlig unabhängig vom Kaufinteresse an der Schufa gilt: Die Schufa ist massiv reformbedürftig. Weniger Transparenz als jetzt ist kaum möglich, denn die Schufa ist eine Blackbox. Wie sich der Schufa-Score berechnet, ist komplett undurchsichtig. Ob es für eine Reform der Schufa allerdings einen Finanzinvestor braucht, dessen durchschnittlicher Anlagehorizont bei fünf bis acht Jahren liegt, darf bezweifelt werden. Denn: Wie lange wird EQT nach einem Kauf an der Schufa festhalten? Wer käme dann als nächstes? Wer am Ende über den Schufa-Datenschatz verfügt, ist noch völlig offen. Mir behagt diese Ungewissheit nicht.

Wünschenswerter wäre es, wenn die jetzigen Anteilseigner ihr Vorkaufsrecht nutzen und die Schufa endlich in Sachen Transparenz und Datenschutz auf Vorderfrau bringen. Dann hätte das Interesse der EQT doch noch etwas Gutes bewirkt.

Die Autorin ist Geschäftsführerin von Campact.

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