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Nicht jeder beherrscht sogleich die Kunst der gewonnenen Autonomie.

Arbeitswelt

Träge im Homeoffice

  • Marcel Schütz
    vonMarcel Schütz
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Ausreichend Bewegung ist in Corona-Zeiten doppelt geboten. Viele Bürojobber müssen dazu aber erst einen Zugang finden.

Noch sind viele Beschäftigte zumindest tageweise im Homeoffice. Eine solche Umstellung, darauf weisen Arbeitsmediziner hin, verleitet zu noch geringerer Bewegung, als sie im hektischen Büroalltag ohnehin vergönnt ist. Immerhin fallen auch Arbeitswege und Gänge in der Betriebsstätte weg.

Doch muss Homeoffice einen nicht zur Trägheit verdammen. Im Gegenteil bieten sich hier flexible Formen, um den Tag einzuteilen. Das aber will erst einmal geübt sein. Angefangen von regelmäßigen Bewegungspausen für ein kurzes Strecken oder einige Liegestütz bis zu intensiveren Ertüchtigungen am Morgen oder Abend.

Bewegung und sportliche Aktivität sprechen viele Dimensionen unserer Gesundheit an, sowohl körperlich als auch psycho-sozial, erklärt Sportwissenschaftler Malte Jetzke von der Universität Münster. Motivierend: Bereits von Aktivitäten mit leichten Intensitäten gingen positive Effekte aus, so der Wissenschaftler und Handballer. Für bessere Ergebnisse müsse natürlich ein höheres Maß an Bewegung erfolgen.

Aus physiologischer Sicht sei die Art der Bewegung – ob nun Radfahren, Laufen oder Übungen an Fitnessgeräten – aber von untergeordneter Bedeutung, so Jetzke. Für viele Menschen werden neigungs- oder altersbedingt sowie aufgrund körperlicher Einschränkungen bereits tägliche Spaziergänge oder längere Gartenarbeiten einen effektiven Beitrag leisten.

Der Sportexperte empfiehlt, sich von Fitnesstrends nicht unter Druck setzen zu lassen. Es gehe ja darum, „dass Menschen Spaß an ihren Aktivitäten haben, Kompetenz erleben und sich als Urheber ihrer Aktionen sehen“. Die das gesamte Wohlbefinden erfassende Lebensqualität werde durch soziale Eingebundenheit, positive Interaktionen mit anderen Menschen und erfahrene Wertschätzung bestimmt.

Auch ist zu sehen, dass eine eigenständigere Gestaltung der Arbeitszeit von einigen Beschäftigten als Belastung empfunden wird. Nicht jeder beherrscht sogleich die Kunst der gewonnenen Autonomie. Hier bietet Bewegung beziehungsweise körperliche Entfaltung immer wieder einen guten Ausgleich, um das wichtigste Kapital für die Arbeit verfügbar zu halten: ein klarer Verstand, Tatkraft und sprudelnde Ideen. Davon kann man in der „neuen Normalität“ einiges gebrauchen.

Marcel Schütz ist Research Fellow im Fach Betriebswirtschaft an der Northern Business School Hamburg.

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