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Taten sagen mehr als Orte

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Von: Katharina Beitz

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Aus der Zeit gefallen: Herkunftsbezeichnungen wie „Made in Germany“.
Aus der Zeit gefallen: Herkunftsbezeichnungen wie „Made in Germany“. © Jens Büttner/dpa

„Made in Germany“ - was sagt uns das heute noch? Die Herausforderungen der Gegenwart sind aus unternehmerischer Sicht doch nicht mehr innerhalb nationaler Grenzen zu lösen. Die Gastwirtschaft.

Ich war etwas überrascht, als mir kürzlich auf einer internationalen Konferenz das Label „Made in Germany“ begegnete. Wofür steht dieses Etikett heute überhaupt noch? Die Herausforderungen der Gegenwart sind aus unternehmerischer Sicht doch nicht mehr innerhalb nationaler Grenzen zu lösen? So nehmen wir Qualität heute ganz anders wahr als noch vor 30 Jahren: Taten zählen mehr als die Orte, an denen sie geplant werden.

Auch in anderen Regionen rund um die Welt wird aktuell sehr viel Innovatives produziert. Und das meiste davon kommt nur in Zusammenarbeit und über Ländergrenzen hinweg zustande. Trotzdem ruhen sich viele Firmen auf den Vorschusslorbeeren einer altgewordenen Herkunftsbezeichnung aus oder pappen sich ein kleines, grünes Schild auf die Website. Greenwashing, Innovation-Washing – Beispiele dafür finden wir zur Genüge.

Doch Gütesiegel haben auch ihre Vorteile: Sie können uns durch einen schnellen Blick mitteilen, wie ernst die nach außen kommunizierten Unternehmenswerte tatsächlich genommen werden. Das betrifft Nachhaltigkeit, Transparenz und den Schutz der Menschen entlang einer wachsenden, globalen Lieferkette. Diese globalen Lieferketten sind auch ein Grund, warum reine Herkunftsbezeichnungen so aus der Zeit gefallen sind. Wie innovativ und nachhaltig kann ein Land ohne internationale Zusammenarbeit heute überhaupt sein?

Glücklicherweise gibt es fantastische Beispiele globaler Interaktion wie die deutsche Plattform Vanilla Steel, die den Handel mit überschüssigem Stahl ermöglicht. Stahl, der früher einfach abgeschrieben wurde, gelangt nun zurück in den Kreislauf. Und die internationale Stahlindustrie, die bisher eher nicht für grüne Lieferketten bekannt war, bekommt damit einen neuen, wachsenden Secondhand-Marktplatz. Oder Algae Cytes, ein britisches Biotech-Unternehmen, das sich seit diesem Jahr in Dessau niedergelassen hat. Eine bemerkenswerte Wahl für eine High-Tech-Algenplantage, die Omega-3-Fettsäuren herstellt und damit der Überfischung entgegenwirkt.

Beide Beispiele zeigen: Vermeintlich steife Branchen und bisher wenig beachtete Regionen können auch anders. Sie werden Leuchttürme einer Vision, die Spitzentechnologie, Tradition und Nachhaltigkeit verbindet. Solche Innovationen sollten sich in zukünftigen Etiketten widerspiegeln.

Katharina Beitz ist Philosophin und Geschäftsführerin eines Tech- Unternehmens.

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