Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

In Umfragen wollen alle Eier von glücklichen Hühnern
+
In Umfragen wollen alle Eier von glücklichen Hühnern.

Agrarpolitik

Systemwechsel in der eigenen Küche

Auf Ministerin Klöckner sollte man bei der Agrarwende nicht setzen.

Erinnern Sie sich? Nach Protesten von Landwirtinnen und Landwirten im Dezember hatten Lidl und Kaufland die Preise für einige Schweinefleischprodukte um einen Euro pro Kilo angehoben und mit dem Slogan geworben: „Preis bewusst erhöht für unsere Bauern“. Nach zwei Monaten starb das Projekt. Das Schweinefleisch war Ladenhüter.

In Umfragen wollen alle Eier von glücklichen Hühnern und Fleisch aus dem Mutterkuh-Programm. Beim Griff ins Regal zählt für viele nur der Preis. Fachleute nennen das „Consumer-Citizen-Gap“, die Lücke und den Widerspruch zwischen dem erwünschten und dem tatsächlichen Verhalten als konsumierendes Wesen.

Menschen, die im Discounter kaufen, haben oft keine andere Wahl, als das günstigste Produkt einzupacken. Agrarministerin Klöckner und ihre 16 Länderkolleginnen und -kollegen hätten dagegen sehr wohl eine Wahl. Sie beschäftigen sich in dieser Woche bei der Bund-Länder-Agrarkonferenz mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Konkret geht es um die Frage, nach welchen Kriterien die Subventionsmilliarden aus Brüssel künftig an Landwirt:innen verteilt werden. Dafür gibt es ordentlich Freiraum: Erstmals ist nämlich vorgesehen, dass jedes EU-Land einen eigenen Plan für die Umsetzung der GAP vorlegt.

Deutschland könnte also mehr für Klima und Artenvielfalt tun, als die EU vorgibt. Was für eine Chance für eine mutige Agrarpolitik! Man stelle sich vor: ein Systemwechsel, eine Agrarwende, die nicht mehr nach Fläche und Größe subventioniert. Fakt ist: Damit das Schwein sich im Stroh wälzen kann, die Kuh auf der Weide grasen und das Huhn im Staub baden, muss in die Haltungsform investiert werden. Das kostet Geld. Genauso wie klimafreundlicher Anbau und das EU-Ziel, zehn Prozent der Flächen für Vögel und Insekten unbewirtschaftet zu lassen.

Nun ist Klöckner vorab mit Gesetzesentwürfen vorgeprescht, die den Status quo betonieren wollen. Dass sie dem European Green Deal widersprechen, scheint wurscht. Vielleicht mag das Klöckner-Ministerium aber auch einfach nur EU-Vertragsverletzungsverfahren. Wie dem auch sei: Es sieht so aus, als müsste Mensch sich die Agrarwende bis auf Weiteres selbst basteln. In der Corona-Pandemie sollen sich ja viele gesünder ernähren, um Infektionen zu trotzen und durch Kochen dem eintönigen Lockdown-Leben zu entkommen. Das könnte eine Chance für den Systemwechsel in der eigenen Küche sein.

Astrid Deilmann ist Geschäftsführerin von Campact.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare