Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

GASTWIRTSCHAFT

Solidarität beim Impfen

  • Jens Holst
    vonJens Holst
    schließen

Reiche Länder müssen dem Globalen Süden helfen - nicht nur aus Gründen der Fairness, sondern auch aus eigenem Interesse.

Die Welt im Impffieber. Kein Tag ohne Meldungen über die zunehmende Zahl von Impfstoffen und Erfolge und Pannen beim Impfen. Die Erlösung der Welt von der Geißel namens Covid-19 scheint nahe.

Nun ja, nicht ganz. Schließlich handelt es sich bei Covid-19 um eine Pandemie, sprich eine weltweit verbreitete Seuche. Im Zuge des Corona-bedingten neuen Nationalismus haben einige reiche Länder so viel Impfstoff reserviert, dass sie ihre gesamte Bevölkerung mehrfach impfen können. Für die Länder des Globalen Südens bleibt kaum etwas übrig. Manche Hersteller wollen sogar von den ärmeren Ländern höhere Preise kassieren als von den Industriestaaten. Ihr Argument: Deren Regierungen haben reichlich in die Erforschung der Impfstoffe investiert und sollen daher weniger dafür bezahlen.

Das entspricht dem Äquivalenzprinzip in der privaten Krankenversicherung: Wer mehr braucht, muss mehr bezahlen beziehungsweise wer mehr zahlt, bekommt mehr. Das Problem: Es gibt immer Menschen, deren Geld nach diesem Prinzip nicht für die eigenen Gesundheitsausgaben reicht. Universelle Absicherung lässt sich nur über das Solidarprinzip erreichen, wie es in der deutschen Kranken- und Pflegeversicherung und beim Arbeitslosengeld II besteht. Dass jeder nach seinen Möglichkeiten zahlt und nach Bedarf erhält, stößt hierzulande auf breite Zustimmung. Das Solidarprinzip erlaubt die Absicherung einkommensschwacher Gruppen.

Eine Impfstrategie nach dem Äquivalenzprinzip ist hochgefährlich. Pandemien lassen sich nur bekämpfen, wenn alle Menschen weltweit Zugang zu geeigneten Präventionsmaßnahmen haben. Solange Regierungen die eigene Pharmaindustrie schützen und in der Welthandelsorganisation (WTO) Ausnahmeregelungen blockieren, hängen die armen Länder des Globalen Südens von der Gnade reicher Spender ab.

Wenn sie die teuren Impfstoffe nicht bezahlen können, wird das Virus dort weiterleben, fröhlich mutieren und mit neuen Fähigkeiten in die reichen Staaten zurückkehren. Diese Aussicht verlangt nach dem globalen Solidarprinzip: Jedes Land zahlt nach Wirtschaftskraft und bekommt Impfstoff nach Bedarf. Dabei müssen die Empfänger natürlich für die korrekte Verwendung Rechenschaft ablegen.

Der Autor ist Facharzt für Innere Medizin, gesundheitspolitischer Berater und hat eine Professur für Global Health an der Hochschule Fulda.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare