1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Gastwirtschaft

Solidarischer Herbst

Erstellt:

Kommentare

Wir dürfen nicht eine Krise gegen die andere ausspielen. Es braucht ein klares Signal aus der Zivilgesellschaft, um die Politik zum handeln zu bewegen.

Nord Stream 2 öffnen“ und „Wir frieren nicht für Ukrainer“ – das sind Slogans, die gerade durch viele Städte getragen werden. Dabei werden aus Opfern Täter gemacht. Menschen, die vor Krieg fliehen und Hilfe brauchen, kriegen die Wut der Straße ab. Das erinnert an Pegida-Aufmärsche. Alles deutet darauf hin, dass im Herbst wieder rechte Hetzer die Politik vor sich hertreiben werden. Geht das so weiter, sind die Konsequenzen fatal – gesellschaftlich, ökonomisch, politisch.

Denn der Nährboden für Populisten ist besser denn je: Viele Menschen fragen sich, wie sie ihre Gas- und Stromrechnung bezahlen sollen. Manche fürchten, ihre Wohnung zu verlieren. Doch anstatt zu hetzen, geht es vielmehr darum, solidarisch zusammenzustehen. Gemeinsam dafür auf die Straße zu gehen, dass die Politik endlich die Menschen in den Blick nimmt, die Hilfe wirklich brauchen – und nachhaltige Lösungen anbietet.

Das heißt auch, keine Krise gegen eine andere auszuspielen. Menschen, die vor einem Krieg fliehen, verdienen genauso Hilfe wie jene, die ihre Gasrechnung nicht zahlen können. Entlastungen und ambitionierterer Klimaschutz müssen zwei Seiten der gleichen Medaille sein. Die Regierung ist hier viel zu zögerlich. Umso wichtiger ist ein klares Signal aus der Zivilgesellschaft für einen solidarischen Herbst.

Denn zum einen braucht es zielgerichtete Entlastungen für alle, die Unterstützung benötigen. Der von der Bundesregierung nun angekündigte Gaspreisdeckel ist nur ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen: ein Mietenstopp, ein höheres Bürgergeld und ein attraktives bundesweites 29-Euro-Ticket für den Nahverkehr. Zum anderen sind massive Investitionen in eine nachhaltige Zukunft notwendig – für den Ausbau der erneuerbaren Energien, der klimafreundlichen Infrastruktur und der ökologischen Landwirtschaft. Finanzieren müssen das diejenigen, die es wuppen können, die Superreichen und Krisengewinner.

Am Ende hängt es davon ab, wie die Ampel-Koalition in den kommenden Wochen agiert. Sie hat es in der Hand, wie dieser Winter wird: Einer der Verzweiflung und Wut. Oder einer mit neuer Zuversicht für eine sozial gerechtere, ökologische und lebenswerte Zukunft. Lassen Sie uns für letzteres stark machen!

Der Autor ist geschäftsführender Vorstand von Campact und Mitinitiator des Bündnisses „Solidarischer Herbst“, das am 22.Oktober in mehreren Städten zu Demonstrationen aufruft.

Auch interessant

Kommentare