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Society matters

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Von: Anna-Katharina Hornidge

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Können Wissen und Technologie wie ein Zaubertrank ökonomische und institutionelle Veränderungsprozesse in ganz unterschiedlichen Gesellschaften gleichermaßen gestalten? Dieser Transfergedanke trägt nicht, sagt unsere Kolumnistin.
Können Wissen und Technologie wie ein Zaubertrank ökonomische und institutionelle Veränderungsprozesse in ganz unterschiedlichen Gesellschaften gleichermaßen gestalten? Dieser Transfergedanke trägt nicht, sagt unsere Kolumnistin. © Imago Images

Forschung wird oft rein wirtschaftlich betrachtet: Bringt die Wissenschaft einen Wettbewerbsvorteil? Dabei ist sie so viel mehr als das.

Das Sondierungspapier der Ampel spricht von Aufbruch und Transformation, von Klimaschutz und Zukunft. Die große Transformation zur Nachhaltigkeit ist wissens- und technologieintensiv. Das im Papier demonstrierte Wissenschaftsverständnis ist jedoch rein wirtschaftlich instrumentell. Die Behauptung im internationalen Wettbewerb steht im Vordergrund. Eine Verbindung von Wissenschaft zur Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen oder den Pariser Klimazielen fehlt genauso wie zur internationalen Zusammenarbeit.

D ie Umgestaltung und Dekarbonisierung von Wirtschafts- und Sozialsystemen erfordert aber nicht nur Forschung für technische Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Sie erfordert eine Wissenschaft für gesellschaftliche Zukunftsgestaltung im globalen Maßstab – im Zusammenspiel von Forschung, Beratung und Nachwuchsförderung an den Schnittstellen von Natur- und Sozialwissenschaften.

A uch der Transfergedanke – Wissen und Technologie, entwickelt in leistungsstarken Wissenschaftssystemen, könne wie ein Zaubertrunk ökonomische und institutionelle Veränderungsprozesse in ganz unterschiedlichen Gesellschaften gleichermaßen gestalten – trägt nicht. Denn: Society matters!

D as transformative Potenzial von Wissenschaft kann sich global nur entfalten, wenn weltweit empirisch basierte Antworten kontextspezifisch entwickelt und Netzwerke für Reflexion und Umsetzung aufgebaut werden. Es bedarf der partnerschaftlichen Forschung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Ländern unterschiedlicher Einkommensgruppen und Regimetypen. Es bedarf kontinuierlicher, re-iterativer Prozesse von Ideen- und Technologieentwicklung sowie der sukzessiven Veränderung institutioneller Regelwerke und Alltagspraktiken.

D afür müssen unterfinanzierte Wissenschaftssysteme weltweit gestärkt werden, durch transregionale Kooperationen von Wissenschaft, Wissenschaftspolitik und Wissenschaftsförderung.

N ach der Wahl ist vor der Zukunft. Die deutsche Wissenschaftspolitik kann sie gestalten: mittels interdisziplinärer, global ausgerichteter und im transregionalen Dialog praktizierter Forschung für Nachhaltigkeit.

Die Autorin ist Direktorin am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik und Professorin der Universität Bonn.

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