+
Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer während der Siemens-Hauptversammlung 2020 vor der Olympiahalle.

Siemens

Kaesers PR-Aktion

  • schließen

Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer lehnte einen Aufsichtsratsposten bei Siemens Energy  ab - und schoss damit ein Eigentor! 

  • Siemens-Chef Joe Kaeser bietet Luisa Neubauer Posten bei Siemens Energy an
  • Umweltaktivistin Neubauer lehnt Posten ab
  • Absage könnte ein Eigentor für Fridays for Future gewesen sein

Man hat sich die Augen gerieben. Da bietet der CEO von Siemens, Joe Kaeser, der Umweltaktivistin, Luisa Neubauer, in der neuen international aufgestellten Siemens Konzernsparte Energy einen Sitz im Aufsichtsrat (AR) an. Die Sparte hat große Probleme mit Kapazitätsanpassungen und Personalabbau. Nicht deshalb, sondern wegen Investitionen in eine australische Kohlemine, die über 60 Jahre lang ausgebeutet werden soll, hatte die Aktivistin von Fridays for Future den Siemensboss heftig kritisiert. Dabei ging es um technische Investitionen in Höhe von 18 Millionen Euro; für Siemens eine nur lächerliche Summe.

Die Antwort auf das „unmoralische Angebot“ von Kaeser kam schnell: Neubauer lehnte ab: Sie fand die Offerte von Kaeser, aus seiner Sicht, zwar „strategisch gut geplant“ aber die Herangehensweise sei „unprofessionell“. Und außerdem unterläge sie bei Annahme des Mandats einer Treuepflicht gegenüber Siemens.

Siemens-Posten: Eigentor für Kaeser und Neubauer

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Heinz-J. Bontrup, Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik. Er ist Gast-Professor an der Universität Siegen.

Mit der AR-Aktion hat sich Kaeser, aber noch mehr Siemens, einen Bärendienst erwiesen. Und auch Fridays for Future hat ein Eigentor geschossen! Erstens: Weil Treuepflicht in einem AR in erster Linie bedeutet, Verantwortung zum Wohle des Unternehmens zu übernehmen. Und was ist mehr als verantwortungsvoll, wenn hier ein AR-Mitglied auf strategische und langfristige Nachhaltigkeit setzt? Gerade dies wird von Fridays for Future eingefordert.

Hier besteht also eine 100-prozentige Deckung und kein Widerspruch. Warum aber trotzdem die Verantwortung nicht angenommen wurde, lässt sich nicht nachvollziehen. Zweitens: Neubauer hätte mit der Annahme des AR-Sitzes das Kapitalmehrheitsverhältnis gegenüber der Beschäftigtenvertretung im AR zum Einsturz gebracht. Mit ihrer Stimme wäre die Vertretung der Belegschaft auf eine Mehrheit im AR gekommen.

Heinz-J. Bontrup

So hätte man die Macht gehabt und zeigen können, wie Umwelt- und Arbeitsinteressen in einem Unternehmen zu versöhnen sind und wie man sie gegen das Kapital durchsetzen kann. Ich gehe davon aus, dass, nachdem man Kaeser von der Kapitalseite auf seinen Riesenfehler aufmerksam gemacht hat, er nur noch von einem „Gremium für Umweltfragen“ etwas wissen wollte und nichts mehr von einem Sitz im Aufsichtsrat. Sollte dies tatsächlich so sein, so wäre das, entgegen der Meinung von Kaeser, nun wirklich nur ein PR-Gag gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare