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Zentralbanken sollen sehr viel Geld in die Wirtschaft pumpen, so die Chef-Ökonomin der OECD.
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Zentralbanken sollen sehr viel Geld in die Wirtschaft pumpen, so die Chef-Ökonomin der OECD.

Wirtschaftspolitik

Sehnsucht Inflation

  • Rainer Voss
    vonRainer Voss
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Corona führt zu tektonischen Verschiebungen in der Ökonomie.

Die Pandemie beeinflusst unser aller Leben in vielerlei Hinsicht, aber sie wirkt auch als Katalysator an Stellen, an denen man das so nicht direkt vermuten würde.

In der Wirtschaftspolitik waren die Rollen über viele Jahre verteilt: Die Regierung macht Schulden und erhebt Steuern, die akademischen Ökonomen und Ökonominnen heben mahnend den Zeigefinger, Verbände und Sachverständigenrat – abgesehen vom obligatorischen Minderheitsvotum -, warnen vor zu hohen Löhnen, und eben jenen Steuern und Schulden.

Und nun? Da meldet sich die Chef-Ökonomin der OECD zu Wort, einer Organisation, die sicherlich keiner sozialistischen Umtriebe verdächtig ist und zu den stärksten Befürwortern eines harten Sparkurses nach der Finanzkrise 2010 zählte. Sie fordert, dass die Staaten angesichts der noch zu erwartenden Pandemiefolgen mithilfe der Zentralbanken soviel Geld in die Wirtschaft pumpen sollen, bis Vollbeschäftigung herrscht ohne sich um festgelegte Schuldenobergrenzen zu sorgen.

Und sie ist nicht die Einzige: Ein Rollentausch hat stattgefunden, in dem die Fürsprecher einer expansiven Geld- und Finanzpolitik aus den Universitäten und Think Tanks kommen, während die Politiker immer noch das Narrativ der „schwäbischen Hausfrau“ bedienen.

Aus dem Schreckgespenst „Inflation“ ist ein Sehnsuchtsort geworden, die Erkenntnis, dass Kredite Einlage schaffen und nicht umgekehrt, ist inzwischen anerkannte Lehrmeinung. Die Zentralbanken fluten das Bankensystem mit Mengen an Zentralbankgeld und die Zinsen sind verschwunden. All das fordert unser traditionelles Denken darüber heraus, was Zentralbanken tun sollten und was nicht. Aber an der Spitze der Europäischen Zentralbank stehen beeindruckende Frauen, die in sozialen Netzwerken und Bürgersprechstunden die Funktionsweise moderner Geldpolitik und ihre Intentionen erläutern.

Eine neue Sichtweise auf den Staat, seine Finanzierung und die Steuerung von Inflation und Arbeitslosigkeit ist entstanden, die breit diskutiert wird. Dass die Pandemie eine tektonische Verschiebung in der Ökonomie beschleunigt hat, steht wohl außer Frage. Hoffen wir, dass die neuen Stimmen in der Politik Gehör finden!

Der Autor ist ehemaliger Investmentbanker und Protagonist des Dokumentarfilmes „Master of the Universe“.

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