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In den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands wurde die D-Mark am 21. Juni 1948 einziges gesetzliches Zahlungsmittel und löste die Reichsmark und die Rentenmark ab.

Schuldenerlass

Schuldenerlass: Spinnerei oder Befreiung?

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Das Wachstum unseres Wirtschaftssystems beruht auf immer neuer Verschuldung, aber ein Erlass wie in antiken Zeiten scheint heute utopisch, oder nicht? Die Gastwirtschaft.

Uns allen ist der Begriff „Jubiläum“ für eine wiederkehrende Feier geläufig; der Begriff geht auf das hebräische Wort „Jobellamm“ zurück, der eine Schuldenamnestie für alle Bürger bezeichnete. Solche Schuldenerlasse, bis in sumerische Zeiten dokumentiert, sollten durch die Aufhebung der Schuldknechtschaft die gesellschaftliche Stabilität wiederherstellen.

Ziel war dabei der Aufbau einer leistungsfähigen Arbeiterklasse, die aus eigener Kraft prosperieren und nicht zuletzt wehrfähige Männer produzieren sollte. Schon die Babylonier hatten erkannt, dass schuldenbasiertes Wirtschaften nicht nachhaltig sein kann.

Auch das Wachstum unseres Wirtschaftssystems beruht auf immer neuer Verschuldung, aber ein Erlass wie in antiken Zeiten scheint heute utopisch, da ein Großteil der Schulden von Finanzintermediären gehalten wird. Der Staat ist vom Hauptgläubiger zum Hauptschuldner geworden.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Rainer Voss,  ehemaliger Investmentbanker und Protagonist des Dokumentarfilmes „Master of the Universe“.

Dabei bestehen aber immer noch Schuldverhältnisse zwischen Bürgern und Staat, deren Annullierung positive wirtschaftliche Dynamik freisetzen würde. In den USA drücken Studienschulden von 1600 Milliarden Dollar die Quote des Wohneigentums und mindern die Innovationskraft, weil die finanzielle Belastung die Bereitschaft zu Unternehmensgründungen hemmt. Im selben Kontext sollte die laufende Diskussion um die Übertragung der kommunalen Schulden auf den Bund gesehen werden.

Doch auch für privatwirtschaftliche Schuldenamnestie gibt es Beispiele: Im Sommer beschloss die Chase Bank, ihr Kreditkartengeschäft in Kanada einzustellen. Statt bekannte Pfade zu gehen und die ausstehenden Forderungen einzutreiben oder zu verkaufen, wählte man den Weg des Jubilee. Alle Kunden bekamen ein Schreiben, in denen ihnen die Beendigung der Geschäftsbeziehung ohne weitere Verpflichtungen ihrerseits mitgeteilt wurde.

Rainer Voss.

Der Charme der Idee des „Jubiläums“ liegt in seiner Ideologiefreiheit. Linke werden die verteilungspolitischen Effekte begrüßen, Konservative die Ermächtigung des Individuums, sein Schicksal befreit von den Fesseln der Verschuldung eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen.

Man kann die Idee eines Schuldenerlasses aus ordnungspolitischen Gründen als Spinnerei abtun, sollte aber bedenken, dass unser Wohlstand auf dem größten „Jubiläum“ aller Zeiten fußt: der Währungsreform von 1948.

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