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Schuldenerlass für die Natur

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Von: Wolfgang Kessler

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Die Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet schreitet unaufhörlich voran.
Die Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet schreitet unaufhörlich voran. © Fernando Souza/dpa

Wie die Zerstörung der Regenwälder aufgehalten werden kann. Wie die Zerstörung der Regenwälder aufgehalten werden kann. Die Kolumne „Gastwirtschaft“. 

Der Teufelskreis der Umweltzerstörung dreht sich immer schneller: Pandemie, steigenden Preise für Energie und Getreide sowie Lieferengpässe beim Export treiben die Auslandsschulden vieler Entwicklungsländer in die Höhe. Um Devisen zu verdienen und die Auslandsschulden zu bedienen, beuten sie ihre Ressourcen noch rasanter aus, koste es, was es wolle. Und es kostet viel: Regenwälder werden abgeholzt, Indigene vertrieben, das Klima aufgeheizt, Umwelt und Artenvielfalt zerstört. Geld hat Vorrang vor Naturschutz

Soll dieser Teufelskreis gestoppt werden, muss die Politik aus der herrschenden Finanzlogik ausbrechen, wie es UNO-Generalsekretär António Guterrez angeregt hat: Die Gläubiger sollten den Entwicklungsländern wenigstens einen Teil ihrer Auslandsschulden erlassen, wenn diese im Gegenzug Ressourcen im Boden lassen und mehr Natur unter Schutz stellen. Die neue Logik könnte lauten: Geld für Naturschutz.

Vor mehr als zehn Jahren hatte Ecuador der Weltgemeinschaft ein derartiges Angebot gemacht: Staatspräsident Rafael Correa wollte auf die Ölförderung im Yasuni-Regenwald verzichten, wenn die reichen Länder die Verluste durch den prognostizierten Ölexport wenigstens zur Hälfte ausgleichen. Die wichtigsten Industrieländer, darunter Deutschland, lehnten dieses Angebot ab. „Wir bezahlen doch nicht dafür, dass nichts passiert“, sagte der damalige Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP). Angesichts der zunehmenden Umwelt- und Klimakrise, wäre jedoch genau dies ein Teil der Lösung: Bezahlen, dass nichts passiert.

Klar, dies kann nur unter bestimmten Bedingungen geschehen: So müsste eine eingeschränkte Nutzung von Regenwäldern oder Naturparks durch die dort lebenden indigenen Bewohnerinnen und Bewohner möglich sein: Sei es für ihre Ernährung, für die Nutzung nachwachsender Stoffe wie Öle oder Heilpflanzen, oder aber durch Ökotourismus. Naturschutz ist nur mit den Menschen vor Ort möglich, nicht gegen sie. Um Missbrauch zu vermeiden, sollten die Schulden zeitlich so erlassen werden, wie die Ausbeutung von Ressourcen tatsächlich beendet und große Regionen unter Schutz gestellt werden. Das könnte ein Weg aus dem Teufelskreis der Zerstörung sein, der sich immer schneller dreht.

Der Autor ist Wirtschaftspublizist. Von ihm erschien zuletzt das Buch „Macht Wirtschaft! Ökonomie verstehen – und verändern“ (Publik-Forum-Verlag).

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