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Schöne Bescherung

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Von: Marcel Schütz

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Eine gute Weihnachtsfeier ist kein Diensttermin. Historisch ist sie eine Art Nachahmung der weihnachtlichen Bescherung im familiären Kreis. Idealerweise wird aus der Weihnachtsfeier ein „bunter Abend“. Und der muss nicht von vorn bis hinten durchgeplant werden.
Eine gute Weihnachtsfeier ist kein Diensttermin. Historisch ist sie eine Art Nachahmung der weihnachtlichen Bescherung im familiären Kreis. Idealerweise wird aus der Weihnachtsfeier ein „bunter Abend“. Und der muss nicht von vorn bis hinten durchgeplant werden. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Gegen ein paar Momente, an denen es auch bei betrieblichen Weihnachtsfeiern offizieller wird, spricht nichts. Aber niemand wünscht sich ein untergeschobenes Meeting.

Der Corona-Pandemie fiel auch sie zum Opfer: die Weihnachtsfeier. In den nächsten Wochen gibt es sie wieder in großer Zahl überall. Für manche eine leidige Pflichtübung, für andere ein tolles Erlebnis.

Der Rahmen ist wichtig. Wie vertraut sind sich die Leute? Ist es ein Treffen im Verein, ein Empfang der Kirchengemeinde oder kommt man in der Firma zusammen? Findet die Weihnachtsfeier im Kontext mit der Arbeit statt, dann bewegt man sich zwischen Geschäft und Geselligkeit. Das sind unterschiedliche Dinge. Wie persönlich es werden darf, weiß man nie so genau. Die Weihnachtsfeier schafft insofern gewisse Zwänge und Unsicherheiten der Selbstdarstellung. Man will locker erscheinen, zugleich nicht aus der Reihe tanzen.

Eine gute Weihnachtsfeier ist kein Diensttermin. Historisch ist sie eine Art Nachahmung der weihnachtlichen Bescherung im familiären Kreis. Idealerweise wird aus der Weihnachtsfeier ein „bunter Abend“. Und der muss nicht von vorn bis hinten durchgeplant werden. Auf Gäste warten häufig Spiele, Fototouren oder Reden. Hier ist die Frage, ob man dafür das Publikum hat.

Marcel Schütz
Marcel Schütz © Hendrik Moedden

Gegen ein paar Momente, zu denen es offizieller wird, spricht nichts. Aber niemand wünscht sich ein untergeschobenes Meeting. Zwischen Sektgläsern, Kroketten und Dessert kann man keine geschäftlichen Sachen klären.

Gar nicht verkehrt: Die Chefs verlassen die Weihnachtsfeier etwas früher. Bei vorgerückter Stunde steigt ja auch die Heiterkeit. Es sollte kein sozialer Druck entstehen und – hat man den Raum dafür – verschiedene Gruppen, Interaktionen und Gespräche können sich entwickeln.

Die Kunst ist es, einander weder unachtsam noch aufdringlich zu begegnen. Schließlich müssen alle bedenken, dass man nach einem feuchtfröhlichen Abend sich wieder offiziell über den Weg läuft. Auf einer Weihnachtsfeier gibt jeder etwas von sich preis. Da gilt es aufzupassen, dass man unbedacht Ausgeplappertes nicht hinterher bereut.

Aber idealerweise verlebt man ein paar Stunden, an die man noch länger zurückdenkt – und sei es auch deswegen, weil dann noch etwas völlig Unerwartetes oder Komisches passiert ist. Womit keiner rechnete. Sind das nicht die schönsten Erinnerungen? Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit mit angenehmen Festivitäten.

Der Autor ist Professor für Organisation und Management an der Northern Business School Hamburg.

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