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Für die Konjunkturaussichten 2020 sollte man eine Suppe anrühren.

GASTWIRTSCHAFT

Schmackhafte Aussichten?

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Nicht die Glaskugel, sondern die Buchstabensuppe zeigt, wie sich die Weltwirtschaft im kommenden Jahr entwickeln wird. Die Gastwirtschaft.

Schonkost nach dem Weihnachtsschmaus? Das sollte jedenfalls das Motto der professionellen Glaskugelleser sein, denn für die Konjunkturaussichten 2020 sollte man eine Suppe anrühren. Eine Buchstabensuppe.

Trotz Entspannung zum Jahresende werden die Themen Handelskonflikt und Brexit auch in den ersten Monaten des Jahres die alles bestimmenden Themen sein. Ein erster Deal zwischen den USA und China nimmt nicht weg, dass der Kampf um die Weltvormachtstellung die kommenden Jahre prägen wird. Auch ist nicht auszuschließen, dass Donald Trump sein Image als großer Macher mit einem Handelskonflikt mit der EU unterstreichen will. Auch die Freude über sogenannte Brexit-Klarheit nach den britischen Unterhauswahlen ist mittlerweile der Angst gewichen, dass es Ende 2020 nach Ablauf der Übergangsphase doch noch zu einem ungeordneten Brexit kommen könnte.

Wie diese Themen im kommenden Jahr wirklich ausgehen werden? Eine Münze werfen geht schneller als der Blick in die volkswirtschaftliche Glaskugel und bringt das gleiche Resultat. Hinzu kommen weitere politische Themen wie die amerikanischen Präsidentschaftswahlen, Spannungen in unserer eigenen großen Koalition und auch Italien könnte wieder auf den Schirm der Finanzmärkte kommen.

Unter all diesen politischen Themen bewegt sich eine fragile Weltwirtschaft, die etwas an Schwung gewinnen, aber auch verlieren kann. Der große Befreiungsschlag wird dabei wohl genauso wenig kommen wie die tiefe Rezession. Die Notenbanken werden weiterhin alles tun, um ein Sicherheitsnetz unter der Konjunktur aufzuspannen und Regierungen werden ganz langsam etwas mehr Geld ausgeben.

Was heißt das für die Konjunkturaussichten Deutschlands und der Eurozone? Hier hilft ein Löffel aus der Buchstabensuppe, denn der Konjunkturverlauf 2020 kann gut mit der Form eines Buchstabens beschrieben werden. Der V-förmige Aufschwung wird es wohl definitiv nicht, angesichts der aktuellen Investitionsschwäche und strukturellen Probleme in Schlüsselindustrien. Hoch im Kurs stehen eher das „L” oder das „J” – hoffend, dass Deutschland und die Eurozone von einer leicht stärkeren Weltwirtschaft profitieren. „L“ oder „J“ sind auf den ersten Blick vielleicht nicht wirklich schmackhaft, aber deutlich besser als ein „I“. Denn das stünde für den weiteren drastischen Konjunkturabsturz. Guten Appetit.

Der Autor ist Chefvolkswirt der Bank ING-Diba in Frankfurt.

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