Denn jedes Mal, wenn wir mitlachen – sei es aus Bequemlichkeit oder aus der Angst, als humorlos und verklemmt zu gelten -, zementieren wir die traditionelle Machtposition der Männer.
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Jedes Mal, wenn wir mitlachen zementieren wir die traditionelle Machtposition der Männer.

Gastwirtschaft

Schluss mit Herrenwitzen!

  • Sigrid Meuselbach
    vonSigrid Meuselbach
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Wer mitlacht, zementiert Machtpositionen. Die Gastwirtschaft.

Nicht erst seit Christian Lindners verunglücktem Herrenwitz bei der Verabschiedung der FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg stellen sich Journalistinnen die Frage, ob man als Frau über sexistische Sprüche lachen darf – so sie denn lustig sind. Im Fall von Lindner ist der zweite Teil der Frage unerheblich, weil der Spruch nicht witzig und zudem noch alt war. Er selbst hatte bereits drei Jahre zuvor auf einer Veranstaltung gesagt: „Ich bin heute morgen wach geworden mit Claudia Roth“. Wie bei Teuteberg – mit der er „ungefähr 300 Mal den Tag zusammen begonnen“ habe – folgte auch nach der Aussage über die Grünen-Politikerin eine Kunstpause. Nach Gelächter aus dem Publikum schob Lindner nach: „Entschuldigen Sie, ich habe gesagt MIT, nicht neben.“

In Bezug auf Teuteberg war dieser vermeintliche Gag besonders unpassend, da Lindner selbst die Politikerin aus dem Amt gedrängt hatte. Eine Frau auf ihre Qualitäten im Schlafzimmer zu reduzieren, ist an Sexismus kaum zu überbieten. Gott sei Dank fand das im Rückblick kaum jemand lustig und Lindner hat völlig zurecht Kritik von allen Seiten kassiert.

Aber gibt es nun Fälle, in denen frau über sexistische Sprüche lachen darf? Nein, die gibt es nicht – zumindest nicht in der Politik und auch nicht in Unternehmen, wo sie sich negativ auf die Karrierechancen von Frauen auswirken. Am besten reagieren Frauen auch im Privatleben auf Herrenwitze mit absoluter Entschiedenheit, sprich: gar nicht oder mit Zurückweisung. Denn jedes Mal, wenn wir mitlachen – sei es aus Bequemlichkeit oder aus der Angst, als humorlos und verklemmt zu gelten -, zementieren wir die traditionelle Machtposition der Männer. Nur wenn wir uns dagegen positionieren, ändert sich der Ton in der Gesellschaft. Das ist nicht immer leicht, sondern anstrengend, und tatsächlich mit dem Vorwurf der Humorlosigkeit verbunden.

Noch besser wäre natürlich, wenn auch möglichst viele Männer dem Herrenwitz die kalte Schulter zeigen. Damit erklären sie sich nicht nur solidarisch mit den Frauen, sondern unterstreichen ihre eigene Souveränität. Denn Studien zum Thema – etwa von der Western Carolina University – zeigen wenig überraschend, aber sehr bezeichnend: Insbesondere Männer, die sich vor dem Schwinden des klassischen Männlichkeitsbildes bedroht fühlen, springen auf sexistische Witze an. Es ist also entlarvend für sie, wenn wir sie alleine lachen lassen.

Sigrid Meuselbach ist Karriereberaterin und Trainerin.

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