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Schluss mit dem Blame Game

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Von: Stephanie Borgert

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Hat der Müller mal wieder gepennt? Oder die Meier wieder mal einsame Entscheidungen getroffen? Mit solchen Zuschreibungen im beruflichen Umfeld sind viele schnell bei der Hand.
Hat der Müller mal wieder gepennt? Oder die Meier wieder mal einsame Entscheidungen getroffen? Mit solchen Zuschreibungen im beruflichen Umfeld sind viele schnell bei der Hand. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa (Symbolbild)

Es wird in Unternehmen psychologisiert, was das Zeug hält. Wer wirklich etwas verändern will, der sollte die Aufmerksamkeit hin zu einem intensiven Beobachten der Routinen, Muster und Dynamiken in Kommunikation und Verhalten lenken.

Wer ist schuld? Die Lieblingsfrage in deutschen Unternehmen. Wann immer etwas anders läuft als geplant, ein Fehler auftaucht, ein Auftrag verloren geht oder der Kaffeeautomat leer ist, wabert sie laut hörbar durch die Flure. Dann wird flugs eine Person ausgemacht, der man den schwarzen Peter zuschiebt und gleich im Anschluss eine passende Erklärung montiert. Denn Erklärungen sind uns mindestens so wichtig wie zu wissen, wer’s gewesen ist.

Der Müller hat mal wieder gepennt, weil der ja sowieso nicht besonders sorgfältig ist. Die Meier ist ein totales Alphaweibchen und deshalb tut sie sich eben sehr schwer mit Teamentscheidungen. So schnell, wie auf diese Art und Weise Analysen durchgeführt werden, so wenig hilfreich sind die Ergebnisse.

Es wird in Unternehmen psychologisiert, was das Zeug hält. „Wir entwickeln die Persönlichkeit unserer Mitarbeitenden“ und „Du darfst Dich hier ganz als Person einbringen“ mag verheißungsvoll klingen, bringt aber auch gleich die Typisierung in all die gängigen Psycho-Modelle mit sich.

Das manifestiert den Ansatz, alles und nichts über die Persönlichkeit der Einzelnen zu erklären. Was zudem auch noch übergriffig ist, denn die Organisation ist nicht das Umfeld, um an der Psyche von Menschen zu werkeln. Das gehört, wenn überhaupt, in einen therapeutischen Kontext.

Ein Unternehmen ist auch nicht einfach die Summe seiner Individuen. Es ist vielmehr ein soziales System. Es besitzt ein „Eigenleben“, das sich durch die Dynamiken zwischen den Menschen entwickelt. Wollen wir ursächlich herausfinden, warum der Umsatz sinkt, wir keine passenden Mitarbeitenden finden oder wir jedem Konflikt im Team aus dem Weg gehen, dann sollten wir unsere Aufmerksamkeit entsprechend lenken. Weg von den Zuschreibungen, hin zu einem intensiven Beobachten der Routinen, Muster und Dynamiken in Kommunikation und Verhalten. Alles, was wir benötigen, um gute Hypothesen über ursächliche Zusammenhänge zu bilden, lässt sich wahrnehmen. Und das braucht noch nicht mal mehr Zeit als das dümmliche Blame Game.

Es braucht nur etwas Übung und das bewusste Auseinanderhalten von Beschreiben, Bewerten und Interpretieren. Ganz nebenbei übrigens kann das auf die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit wirken. Probieren Sie’s aus.

Die Autorin ist Managementberaterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Erfolg ist ein Mannschaftssport“.

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